Wo der rote Drache leuchtet
Wenn es um die ganz großen Menschheitsfragen geht, ist ein gewisses Pathos durchaus angebracht, findet jedenfalls die ewig jugendfrische Tanja. «Ich möchte, dass unser Leben ein lichter Traum von der Zukunft ist, von einem nie endenden Glück», agitiert sie großäugig ihren Kompagnon Wassja und kann gar nicht verstehen, dass der dem Fortgang der Geschichte etwas skeptischer entgegensieht. «Denken Sie doch einmal nach vorn», ermahnt Tanja den kleinlaut an ihrer Seite klemmenden Zukunftsspaßverderber mit der Fröhlichkeit eines Selbstoptimierungscoachs.
Schwer zu sagen, wann und wo die beiden eigentlich unterwegs sind. Man sieht sie im Großen Haus des Staatsschauspiels Dresden auf einer Videoleinwand; mutmaßlich in einer Art fliegendem Auto oder einer Weltraumkapsel. Jedenfalls sprechen sie aus einer nicht näher definierten Zukunft heraus, in der dank bahnbrechender technologischer Entwicklungen der Himmel auf Erden angeblich zum Greifen nahe ist. Es gibt da nur noch ein paar minimale Mühen der Ebenen, räumt Tanja sinngemäß ein; wirklich Kleinigkeiten, zum Beispiel das Wohnungsproblem und ähnliche Marginalien, die sich im weitesten Sinne unter der sozialen Frage gruppieren ließen, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Christine Wahl
Eva Behrendt In den letzten drei Jahren, in denen ich selbst Mitglied der Theatertreffen-Jury war, war das Verhältnis Regisseure/Regisseurinnen in der Auswahl Dauerthema. Was hat Sie gerade jetzt dazu bewogen, eine weitreichende Veränderung wie die Frauenquote in die künstlerische Auswahl der zehn «bemerkenswertesten» Inszenierungen einzubringen?
Yvonne...
An diesem 30. April 1971 in der New Yorker Town Hall ist der amerikanische Schriftsteller und Aktivist Norman Mailer wirklich nicht zu beneiden. Als Moderator der Podiumsdiskussion «A Dialogue on Women’s Liberation» ist er sichtbar damit überfordert, seine vier Gesprächspartnerinnen (und das Publikum) zu disziplinieren. Sein legendärer männlicher Charme, der nur...
Vor zwei Jahren stand in Heidelberg ein 64-Jähriger vor Gericht, dem Amtsanmaßung, Titelmissbrauch und versuchte Nötigung in mehreren Fällen vorgeworfen wurde. Der Mann hatte sich als Bürgermeister ausgegeben und honorige Heidelberger erpresst: Er verlangte von ihnen Irrsinnssummen, wenn sie ihm nicht eine beglaubigte «Gründungsurkunde» der Bundesrepublik...
