Birth, Love, Death
Woran denke ich, wenn ich mich heute an Bert erinnere? Ich sehe natürlich den Friedhof vor mir, in diesem kleinen Ort, wo er jetzt, neben seinem Sohn, begraben ist – was für ein tief trauriges Bild. Aber ich sehe ihn auch in München im Englischen Garten stehen mit seiner Familie, ich sehe uns beide auf der Pariser Opernbühne in einem unglaublichen Buh-Orkan, ich sehe uns mit dem Auto durch Belgien kurven, und ich sehe vor allem ihn selbst vor mir: Bert. Einen Freund.
Unsere erste Begegnung fand in Berlin statt.
Ich plante damals, es war um das Jahr 2003 herum, an den Münchner Kammerspielen meine Inszenierung von «Anatomie Titus Fall of Rome» von Heiner Müller. Es war meine erste Inszenierung an einem deutschen Stadttheater. Und Frank Baumbauer, der damals Intendant der Kammerspiele war, hatte mir Bert als Bühnenbildner vorgeschlagen. Ich fuhr also nach Berlin, natürlich in den Prenzlauer Berg, und verabredete mich mit ihm. Es war wie die Begegnung mit einem Popstar. Damit meine ich nicht, dass Bert kapriziös oder gar divenhaft war, nein, das überhaupt nicht. Aber er hatte eine ganz große Aura. Er war schlicht gekleidet, doch alles stimmte. Das fiel mir in all den Jahren immer auf. ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Bert Neumann, Seite 6
von Johan Simons
Aufs Liebevollste wurde das Gutshaus von den Werkstätten mit Patina versehen. Das pittoresk heruntergekommene Landhaus von Zsolt Khell mit fleckigen Gardinen, altem Kinderspielzeug und 60er-Jahre-Sesseln ist nur noch ein Symbol vergangener Erinnerungen, zu groß, sperrig und uneffizient für die Gegenwart – und so staubig, dass fast der Niesreiz in die Nase steigt.
K...
Am Anfang ist es so schlimm wie am Ende. Oder umgekehrt. Denn indem Anna Bergmann in ihrer Karlsruher Inszenierung von Tschechows «Drei Schwestern» zu Beginn des Abends erstmal den Schluss zeigt – Baron Tusenbach sinkt erschossen nieder –, will sie uns sagen, dass über die ganze nun folgende Geschichte das Urteil längst gefällt ist: Der Untergang ist...
Auf dem Foto von Bert Neumann, mit dem die Volksbühne auf ihrer Website den Tod ihres Chefbühnenbildners anzeigt, trägt er ein Shirt mit dem Aufdruck «Don’t look back» in deutscher Frakturschrift. Solche Widersprüche hatten es ihm angetan. Auf dem Foto schaut er natürlich nicht den Betrachter an, sondern zur Seite. Sehr, sehr weit zur Seite, fast schon nach hinten....
