Berlin: Plastik & Plastik

Berliner Ensemble, Schaubühne Goethe «Faust I und II»,Marius von Mayenburg «Stück Plastik» (U)

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So kann man Dr. Heinrich Faust auch sehen: ein adretter Herr im dunklen Anzug, grelle Blässe im Gesicht, je nach Alter mal mit, mal ohne Bart, der gerne und viel redet. Solche mittleren Univer­sitätsangestellten sind mehr denn je verbreitet, weshalb der wortreich hadernde Herr Professor in «Faust I» gleich viermal vertreten ist und sich die Versbrocken brav aufteilt. Zumal in diesen Kreisen ohnehin jeder jeden zitiert, mit oder ohne Fußnote. Auch sein Gretchen ist qua Persönlichkeit nichts Besonderes.

Es gibt drei davon, nicht mehr ganz junge, biedere, weiße, heterosexuelle Zopfmaiden in Kinderkleidchen, die furchtbar betuliche Vorstellungen von Ehe, Sittsamkeit und Liebe haben: Der Text stammt bekanntlich aus dem frühen 19. Jahrhundert, Autor ein gewisser Goethe. 

 

Deutlich individueller interessiert sich Regisseur Robert Wilson für Herrn Mephisto von Christopher Nell, der im dezenten ledernen Rockeroutfit auf nackter Brust wie ein umgänglicher Rausschmeißer aus dem Bahnhofsviertel aufkreuzt. Seine zwei neckischen Hörnchen auf der kupferroten Mähne und die mächtig vorschiebende Hüfte sehen aus wie ein netter Karnevalsscherz und entsprechen durchaus seinem Humor: nicht ...

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Theater heute Juni 2015
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Franz Wille

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