Verschärfte Bedingungen
Es überrascht doch stets von Neuem, wie schnell noch immer, kaum zupft mal
jemand die gewohnten Sehmuster ein wenig auseinander, die Aufregung anschwillt und Bannworte wie «artifiziell», «formal» oder gar «Kunst» (gemeint ist die bildende oder installative) mehr oder weniger vorwurfsvoll durchs Parkett schwirren.
Als sie vor einem Jahr Marieluise Fleißers «Fegefeuer in Ingolstadt» an den Münchner Kammerspielen inszenierte, mit zombiehaft agierenden Figurenhülsen, vibrierenden Stills und dem kompletten Text als Playback, zog sie damit den Zorn vieler Theaterpuristen auf sich, die es lieber unplugged mögen. Der Rest war spontan ebenso irritiert wie begeistert, und es folgten schließlich sehr zu Recht nicht nur die Einladung zum Berliner Theatertreffen, sondern gleich noch der 3sat-Theaterpreis 2014. Da nachzulegen ist schwer, aber nicht unmöglich, wie Susanne Kennedys neuer Coup, ebenfalls an den Kammerspielen, zeigt.
Auch diesmal hat sie sich eine Vorlage ausgesucht, von der man zunächst nicht sagen würde, dass sie nach Gegenwart riecht. Der Film «Warum läuft Herr R. Amok?», den Michael Fengler im Jahr 1970 zusammen mit Rainer Werner Fassbinder konzipierte und dann weitgehend ohne ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 18
von Silvia Stammen
Der Tod steht vor der Tür, hält seine Hand auf, ich schweige. Ich schaue hinter mich, alles voller Licht und Erregung, die Dinge, die ich nicht getan habe, die, die ich dabei immer gern getan hätte – das Leben im Konjunktiv, denke ich, in gebeugter Form. Der Tod wird ungeduldig – ich halte seinen kalten Blick, lächle und höre mich sagen: Komm morgen wieder, morgen,...
Das menschliche Sandwich, lange nicht gesehen, gibt es bei Doris Uhlich als Doppel-Whopper de luxe: Vier nackte Schauspieler, teils mager, teils fülliger, liegen wie Scheiben übereinander, stoßen mit kurzen Zuckungen Bäuche gegen Rücken. Und das weiche Fleisch vibriert, zittert, klatscht, als wolle es die Stille des Raumes in Schwingung versetzen. Bald werden...
Nach Westen! Dieser Ruf hallt seit den ersten Siedlern verheißungsvoll in die Weiten der USA, das Glück liegt auf der Straße – und die führt stets an einen anderen Ort. Auch «Smokefall», das neue Stück des US-amerikanischen Theater- und Drehbuchautors Noah Haidle, ist durchweht von der Sehnsucht nach dem Unbekannten, sein Schauplatz aber ändert sich nicht: ein...
