Wiener Fenstersturz

Shit Happenings: Leonard Koppelmann verhörspielt Konrad Bayer mit Sophie Rois, aber zu viel Gefühl

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Es war keine Magie im Spiel bei jenem «Unverhofften Wiedersehen», das Johann Peter Hebel in seiner bekannten Kalendergeschichte beschrieben hat. Eisensulfat hatte den Körper des jungen Bergmanns konserviert, den man fünfzig Jahre nach einem Minenunglück wiederfand. Grau und gebeugt trat eine Frau an die Bahre und erkannte das jugendliche Gesicht ihres Verlobten. Aber «er öffnete den Mund nimmer zum Lächeln», geschweige denn, um ein Wort zu sagen.

Und hätte sie ihm andernfalls nicht gleich einen Finger auf die Lippen legen müssen, weil der Zauber sonst verflogen wäre?

Auch der Hörspielmacher Leonhard Koppelmann hat einen Schatz ans Tageslicht geholt. Konrad Bayer, Dichter, Experimentalfilmer und Gründungsmitglied der «Wiener Gruppe» (mit Fried-rich Achleitner, H. C. Artmann, Gerhard Rühm und Oswald Wiener), zog in seinem Fragment gebliebenen Roman «der sechste sinn» die Summe der Experimente, die mit Montage-Gedichten, parodistischen Liedern und Bühnenstücken bei den literarischen Kabaretts der Gruppe ihren Anfang genommen hatten. Heute gilt Bayer als Wegbereiter der Avantgarde. Er wäre 72 Jahre alt. Als er sich im Oktober 1964 das Leben nahm, war er 31, ein unnahbarer Dandy und ...

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Theater heute Juni 2005
Rubrik: Medien/TV, Seite 65
von Frank Kaspar

Vergriffen
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