Keine leichte Übung
Neustarts im städtischen Theater sind gemeinhin ein so kompromissreiches Unterfangen, dass man sich ruhig einmal ausmalen darf, wie ein gelungener Anfang aussieht. Etwa mit einer Grundsteinlegung auf der Bühne des Oldenburger Staatstheaters: Es ist einer der milden, trockenen Novemberabende 2006, mitten in der Arbeitswoche. Die 350 Plätze im Kleinen Haus sind nahezu vollbesetzt. Es laufen «Die Wahlverwandtschaften» nach Goethe. Ein Lustgebäude für den Schlosspark ist projektiert; jetzt naht die Ausführung.
Um eine Grube in der Vorderbühne versammeln sich die Protagonisten, und der Goethesche Bauleiter erörtert: «Drei Dinge sind bei einem Gebäude zu beachten: dass es am rechten Fleck stehe, dass es wohl gegründet, dass es vollkommen ausgeführt sei. Das dritte, die Vollendung, ist die Sorge gar vieler Gewerke.» – Dann wird es voll. Oldenburger Bühnenarbeiter strömen von den Seiten heran, die Feuerwacht und das Küchenpersonal des Hauses treten dem Chor der «Gewerke» hinzu. Man intoniert ein Maurerlied. Auch das Saallicht scheint, auf dass ein großes «Wir» über der Szene stehe.
Und dieses Wir teilt ein Anliegen. Kurz und knapp gedenken Goethes Erben einer fernen Nachwelt und versenken ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Handball ist ein gefährlicher Sport. In neun Fingern Kapselrisse und vier Mal das Nasenbein gebrochen ist zumindest die Bilanz von Hans Löw. Hätte der talentierte Sportler, den man in seinen Jugendjahren nie ohne Ball gesehen haben soll, weiter gemacht und wäre kürzlich Weltmeister mit dem deutschen Handballteam geworden, dann sähe die Liste sicherlich noch...
Wer selbst beim Theatertreffen jahrelang mitjuriert hat, kennt das Haut-die-Jury-Spiel vom eigenen Buckel. Im Grunde ist es müßig: Denn immer haben sich die Juroren bei ihren verwickelten Entscheidungsprozessen etwas gedacht. Aber manchmal fragt man sich doch: was eigentlich? Warum haben sie sich unter den drei «Orestien» der Saison (Berlin, Leipzig, Frankfurt)...
Im Grunde schreibt Elfriede Jelinek schon lange keine Stücke mehr. Sie stellt Textblöcke zur Verfügung, aus denen bei entsprechender Behandlung Theater werden kann. Sie sind dabei nicht zimperlich, diese Texte, im Gegenteil, sie wollen hart rangenommen werden. Dafür sind sie aber auch zu allem bereit und gänzlich uneitel, wenn es darum geht, sich offensiv benutzen...
