Die Erfindung des Zeitsprungs
Daniel Kehlmann betrat die Theaterszene über die Showtreppe: Zur Eröffnung der Salzburger Festspiele 2009 hielt der Wiener Romancier eine Brandrede gegen das «Regietheater» – und wurde von Schauspielchef Thomas Oberender umgehend mit einem Stückauftrag bedacht. Weil Kehlmanns dramatisches Debüt nicht rechtzeitig fertig wurde, fand die Uraufführung dann aber doch nicht in Salzburg, sondern im Grazer Schauspielhaus statt.
Wie für seinen millionenfach verkauften Roman «Die Vermessung der Welt» (2005) bedient sich Kehlmann auch für seinen Bühnenerstling «Geister in Princeton» aus der Wissenschaftsgeschichte. Nach Carl Friedrich Gauß und Alexander von Humboldt steht diesmal das österreichische Mathe-Genie Kurt Gödel (1906–1978) im Fokus. Der Mann, der im Stück als «größter Logiker aller Zeiten» und als «bester Mathematiker seit Gauß» bezeichnet wird, wurde unter anderem mit dem «Unvollständigkeitssatz» berühmt. Dieser besagt, dass es Aussagen gibt, die weder bewiesen noch widerlegt werden können.
Aus der Relativitätstheorie leitete Gödel die Möglichkeit von Zeitreisen ab, das Vergehen der Zeit hielt er grundsätzlich für Illusion. «Zeit ist wie ein Zugfahrplan», lässt Kehlmann Gödel ...
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Theater heute Dezember 2011
Rubrik: CHRONIK, Seite 48
von Wolfgang Kralicek
Ein Küken ist in die Jauchegrube gefallen. Der ganze Bauernhof versammelt sich, setzt Gott und die Welt in Bewegung, um das winzige Wesen zu bergen – und um es, kaum dass es dem Tod entrissen und gesäubert ist, zart in Butter zu braten und zu verspeisen. Ja so san’s, die bayerischen Bauern: herzensgut und saubrutal.
Josef Bierbichler, der diese kleine gemeine...
Kein Konflikt auf dem Globus zieht mehr internationale Aufmerksamkeit auf sich als der zwischen Israelis und Palästinensern, kaum ein anderer ist so kompliziert, ist bis zur Undurchschaubarkeit verworren. Und doch löst gerade dieser Dauerbrenner unter den weltpolitischen Krisenherden in der internationalen Öffentlichkeit besonders heftige Bedürfnisse nach...
Nachdem er erst poststrukturalistisch, dann systemtheoretisch und schließlich managementphilosophisch ausgeholt hat, geht Michael Börgerding aufs Ganze: «Ich gehe davon aus, dass wir das alle wollen: glücklich sein am Theater, Glück möglich machen im Theater, das Glück suchen im Theater.» Dreimal Glück und Theater!Der langjährige Hamburger Chefdramaturg,...
