Unter Zombies

Nicht jeder weiß, wann seine Zeit vorbei ist. Karin Beier besucht «Pfeffersäcke im Zuckerland», Elfriede Jelinek lässt einen «Strahlenden Verfolger» aufscheinen, und Karin Henkel verortet Ibsens «John Gabriel Borkman» auf einem Gespensterschloss

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Wer denkt, dass man sich als Ausländer hierzulande integrieren sollte, muss sich unbedingt mal die Brasiliendeutschen ansehen. Die stolzen Alteuropäer, Nachfahren neugieriger oder auch nur überlebensaktiver Auswanderer vom Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, leben zum Teil schon in der fünften oder sechsten Generation in ihrer neuen Heimat in Santa Catarina und achten trotzdem auf die guten, alten Dinge. Deutsche Wurst und deutscher Grünkohl, deutsche Musik und vor allem deutsche Sprache werden inniglich bewahrt und verehrt.

Auf den Leerfahrten Hamburger Zuckerschiffe waren ihre Vorfahren einst billig nach Südamerika geschippert und hatten sich mit wechselndem Glück dort niedergelassen. In ihren Communities blüht bis heute, was sie für deutsche Kultur halten – und was sich bei näherer Betrachtung nicht zuletzt als deutsches Ressentiment entlarvt.

«Ohne uns Deutsche sähe Brasilien heute an­ders aus», ist noch einer der harmloseren Sätze aus den vielen Interviews, die das Team des Deut­schen Schauspielhauses für «Pfeffersäcke im Zuckerland» mit alteingesessenen Deutschbrasilianern geführt und in zehn Kurzmonologe verdichtet hat (Dramaturgie Christian Tschirner). Vorgeführt ...

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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille

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