Unter Zombies
Wer denkt, dass man sich als Ausländer hierzulande integrieren sollte, muss sich unbedingt mal die Brasiliendeutschen ansehen. Die stolzen Alteuropäer, Nachfahren neugieriger oder auch nur überlebensaktiver Auswanderer vom Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts, leben zum Teil schon in der fünften oder sechsten Generation in ihrer neuen Heimat in Santa Catarina und achten trotzdem auf die guten, alten Dinge. Deutsche Wurst und deutscher Grünkohl, deutsche Musik und vor allem deutsche Sprache werden inniglich bewahrt und verehrt.
Auf den Leerfahrten Hamburger Zuckerschiffe waren ihre Vorfahren einst billig nach Südamerika geschippert und hatten sich mit wechselndem Glück dort niedergelassen. In ihren Communities blüht bis heute, was sie für deutsche Kultur halten – und was sich bei näherer Betrachtung nicht zuletzt als deutsches Ressentiment entlarvt.
«Ohne uns Deutsche sähe Brasilien heute anders aus», ist noch einer der harmloseren Sätze aus den vielen Interviews, die das Team des Deutschen Schauspielhauses für «Pfeffersäcke im Zuckerland» mit alteingesessenen Deutschbrasilianern geführt und in zehn Kurzmonologe verdichtet hat (Dramaturgie Christian Tschirner). Vorgeführt ...
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Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 6
von Franz Wille
Am liebsten hätten sie veganes Theater!», spottete Frank Castorf zum Theatersaisonauftakt im Berliner «Tagesspiegel» und meinte damit, nun ja, auch sein Publikum. Während die nach wie vor an den Rosa-Luxemburg-Platz pilgernden Bewohner von Prenzlauer Berg, Kreuzberg und Mitte in Sachen Kunstkonsum gewissermaßen omnivor aufgestellt sind, gestalten sie nämlich ihr...
Ein stilles Haus, dieses Schauspielhaus. Eines, in das die Wanduhr zur vollen Stunde wie eine Totenglocke einschlägt, und wo jedes «Lebehoch» unschicklich klingt, sogar zum Namenstag der jüngsten Tochter. Die Zürcher Intendantin Barbara Frey hat dieses Haus zu Spielzeitbeginn Anton Tschechows «Drei Schwestern» eingerichtet, natürlich lungert dort die örtliche...
Vier Tage nach der Saisoneröffnung im Deutschen Theater Berlin wurde rund um die Hauptstadt in Brandenburg gewählt. Und, oh Schreck, die ziemlich neue nationalkonservative Partei mit dem kraftvollen Namen «Alternative für Deutschland» wilderte für ihre 12 Prozent nicht nur kräftig in der Stammwählerschaft der CDU, sie bediente sich auch bei sämtlichen anderen...
