Neue Stücke · Aufführungen (8/9/2018)
Aufführungen
Die Frauen kommen! Zur neuen Spielzeit stellt sich am Potsdamer Hans-Otto-Theater die neue Intendantin Bettina Jahnke mit einer Inszenierung von Eugen Ruges DDR-Roman «In Zeiten des abnehmenden Lichts» vor. Die neue Karlsruher Schauspieldirektorin Anna Bergmann, die vorläufig nur weibliche Regisseurinnen beschäftigen will, wendet sich in ihrer Antrittsinszenierung den Ibsen-Frauen zu: «Nora, Hedda und ihre Schwestern» machen den Auftakt.
Die meistgespielten Autoren zum Spielzeitauftakt bleiben allerdings Männer mit Männerthemen. Einerseits Shakespeare: Seinen «Hamlet» schickt in Zürich Barbara Frey ins Saisonauftakt-Rennen, den «Kaufmann von Venedig» betreut am Wiener Volkstheater Anna Badora, und in Mülheim treibt Roberto Ciulli Othello zum Desdemona-Mord. Und andererseits? Ewald Palmetshofer! Seine sehr freien Klassikerüberschreibungen widerlegen jedes Nachspiel-Lamento: Am Berliner DT inszeniert Jette Steckel «Vor Sonnenaufgang» nach Gerhart Hauptmann, in Frankfurt David Bösch die Schiller-Überschreibung «räuber.schuldengenital», die in der «Frankfurter Fassung» «schuldenreich» heißt, und für Basel hat Palmetshofer Purcells «König Arthur» umgedichtet, in Zusammenarbeit von Oper, Ballett und Schauspiel in Szene gesetzt von Stephan Kimmig.
Neue Stücke
«Pollesch und ich am Deutschen, das ist nichts, was auf der Hand liegt. Die Aussicht machte mir sofort Vergnügen», sagte Sophie Rois in einem Interview. Seinen Einstand feiert das neue Ensemblemitglied am Deutschen Theater mit René Polleschs «Cry Baby», betitelt vermutlich nach John Waters gleichnamiger Musical- und Elvis-Filmparodie von 1990. «Yes but no» heißt das neue Stück samt Uraufführung am Gorki-Theater, mit dem Yael Ronen und Ensemble ihre Bilanz aus der meToo-Debatte ziehen. Am Berliner Ensemble inszeniert die US-Theatermacherin Karen Breece «Auf der Straße», ein dokumentarisches Stück über Wohnungslose; außerdem zeigen Alexander Kerlin und Kay Voges «Die Parallelwelt» digital gleichzeitig in Berlin und Dortmund. An der Volksbühne legt Mohammad Al Attar das syrische Kriegsstück «The Factory» nach (R: Omar Abusaada). Am Nationaltheater Mannheim startet Christian Holzhauer nicht nur mit Enis Maci als Hausautorin, sondern auch mit Lukas Bärfuss’ Blick zurück aus der Zukunft: «Der Elefantengeist». Das Staatstheater Nürnberg unter Jan Philipp Gloger setzt auf freie Theatermacher: Boris Nikitin zeigt die «Aufführung einer gefälschten Predigt über das Sterben», geheimagentur «Das Kabinett der vereinigten Vergangenheiten». Roland Schimmelpfennigs Neuerzählung der «Odyssee» bringt Tilmann Köhler am Staatsschauspiel Dresden heraus.
Theater heute August/September 2018
Rubrik: Daten, Seite 70
von Red.
Bruno hat einen blutigen Beruf. Wenn ein Kuschelhund oder ähnliches Getier verstirbt, geht Bruno hin, weidet alles Vergängliche aus und hübscht den Rest auf für die Ewigkeit. Bruno ist «Der Präparator» im neuen Stück des Schweizers Lukas Linder, der mit Mitte 30 eine ansehnliche Reihe skurriler Komödien verfasst hat.
Jetzt steht Bruno im Overall, blutverschmiert und mit eingeschlafener...
Ich habe gehört, du hattest eine Fehlgeburt?», fragt mich die Dame, die irgendwie indisch aussieht, fürsorglich-mitleidig, aber auch unverkennbar pragmatisch. Nicht nur das, ich habe auch bereits einen Kaiserschnitt, zwei eigene Kinder und zwei Leihmütterkinder ausgetragen. Denn ganz ohne lästig aktiv mitspielen zu müssen, wird man als Zuschauerin von «Global Belly» tief in die Lage einer...
Einer galoppiert über die Bühne, erfasst vom Weltenjammer: «Eieieieiei!», ruft Arthur Romanowski, und sein grasgrüner Bademantel flattert hinter ihm her. Der junge Performer hat sich eine Aufgabe gestellt: Auf der Bühne möchte er «Irgendwas für irgendwen an irgendeinem Tag im Juni» tun. Doch natürlich soll dieses Handeln auch über das Theater hinausreichen, das Leninsche «Was tun?» wird...
