Die Gespenster
Bei aller Verwandtschaft zum Diskurspop ist die wahre Qualität von Thomas Köcks Texten doch ihre emotionale Kraft und Dringlichkeit: Gesellschaftsreflektion und persönliches Anliegen sind untrennbar verquickt. Bisher am zwingendsten, am radikalsten ist ihm dies in «Paradies spielen» gelungen. Dabei ist die schmerzvolle Einsicht immer präsent, dass das Theater nicht das Medium ist für einfache, handliche Antworten auf die großen Fragen unserer Zeit. Vielleicht verleiht aber grade diese Einsicht seinen Texten dann wieder ihre Tiefe.
In «Paradies spielen» heißt es:
Wer sieht das schon
an der Außengrenze wer
sieht den Schlafsack neben dem
künstlich atmenden Vater liegen
Wer sieht das schon
In solchen Zeilen spannt Thomas scheinbar leichtfüßig ein tragisches Spannungsfeld auf. Der Schmerz über dieses nur noch notdürftig vernähte Narbengelände Welt, die Wut über die Verhältnisse, über diesen wissend in die Katastrophe rasenden ICE, in dem wir alle sitzen und, statt ihn zu bremsen, nur verträumt oder über die vermeintlich großen eigenen Sorgen grübelnd aus dem Fenster schauen. Dieser, bei allem Humor, zutiefst bittere Furor scheint mir ein wesentlicher Antrieb des Menschen wie des ...
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Theater heute August/September 2018
Rubrik: Foyer, Seite 1
von Tobias Schuster
Ich möchte als Einleitung ein kurzes Stück aus René Polleschs Stück «Die Liebe zum Nochniedagewesenen» zitieren, weil sie in ungewohnter Klarheit auf den Punkt bringt, worum es in seiner Arbeit geht:
M: Hast du gerade Krise gesagt?
MC: Ja, Krise.
M: Aber du meintest Katastrophe.
MC: Nein. Ich meinte Krise.
S: Aber du stolperst von einer Katastrophe in die nächste!
MC:...
2021 ist eine symbolische Jahreszahl in Stuttgart. Ursprünglich sollte dann der neue unterirdische Bahnhof in Betrieb gehen. Aber daraus wird nichts. Man wird einfach nicht rechtzeitig fertig. Fertig ist hingegen Armin Petras. Der hätte eigentlich bis 2021 in Stuttgart Kunst machen sollen. Aber auch daraus wird nichts. Stattdessen hat Petras nach fünf Spielzeiten...
Bruno hat einen blutigen Beruf. Wenn ein Kuschelhund oder ähnliches Getier verstirbt, geht Bruno hin, weidet alles Vergängliche aus und hübscht den Rest auf für die Ewigkeit. Bruno ist «Der Präparator» im neuen Stück des Schweizers Lukas Linder, der mit Mitte 30 eine ansehnliche Reihe skurriler Komödien verfasst hat.
Jetzt steht Bruno im Overall, blutverschmiert...
