Am Kipp-Punkt
«The End» prangt von Beginn an als Leuchtreklame auf dem Königs-Bungalow, und der Horizont dahinter wölkt sich in Nina Pellers Bühnenbild leuchtend wie im Abspann eines 50er-Jahre-Westerns in Technicolor. Doch das Ende ist das eine, was danach kommt, das andere. Weg mit den weißen alten Männern, das ist inzwischen fast überall der Konsens der Stunde; und dementsprechend hat Shakespeares «König Lear» Konjunktur, nicht wie früher mal als Paraderolle für alternde Großmimen, sondern als Aufbruchsfantasie in eine glanzvolle väterlose Zukunft.
Das Dilemma ist nur, dass mit der Abdankung des Alphatiers noch nicht wirklich was gewonnen ist. Denn schließlich haben dessen Nachkommen nicht nur die traumatische Gewaltgeschichte von Kindesbeinen an inhaliert, sondern auch den Glitzerstaub aus Papas Portemonnaie, was einem radikalen Systemwechsel erschwerend entgegensteht.
«Wir können Origami»
Jenseits von Alters-Pathos und Endzeit-Fatalismus erzählen Autor Thomas Melle, Regisseur Stefan Pucher und Lear-Darsteller Thomas Schmauser – allesamt weiße Männer in den besten Jahren – in ihrer sprachgewitzten Adaption an den Münchner Kammerspielen eine ganz andere Geschichte, als man sie bei diesem ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute November 2019
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Silvia Stammen
Wer aus aktuellem Anlass ins Bücherregal greift, doch noch einmal ein schmales Bändchen des frisch gekürten Literaturnobelpreisträgers Peter Handke herauszieht und jene «Winterliche Reise zu den Flüssen Donau, Save, Morawa und Drina oder Gerechtigkeit für Serbien» liest, dem wird vieles bekannt vorkommen. Diffuse Andeutungen, Verschwörungsraunen, übelste...
Karlheinz Braun, 1932 in Frankfurt am Main geboren und dort noch immer lebend, hat sein Herz und sein Leben dieser Stadt, ihren Theatern und Kultureinrichtungen geöffnet und es als junger Regisseur und Schauspieler, dann als Leiter des Theaterverlags Suhrkamp und schließlich als Gründer und Delegierter des Theaterverlags der Autoren ganz an seine Autoren verloren....
Nur was objektiv wahr ist, ist gut und wird in «Das große Heft» eingetragen. Gefühle gehören nicht dazu. Diese trainieren sich die namenlosen Zwillinge, die während des Zweiten Weltkriegs zur Großmutter in ein kleines ungarisches Dorf ausquartiert wurden, systematisch mit speziellen Übungen ab. Drei Tage nichts zu essen gehört noch zu den leichteren. Bis aufs...
