Countdown zur Katastrophe
Man wartet ja immer auf das Stück zur Wende, zur Klimakatastrophe oder zum Terrorismus. Jetzt haben wir eins, und dafür ist es sogar ziemlich gut (nachzulesen auf den Seiten 68–81 in diesem Heft). Simon Stephens betritt den 7. Juli 2005, den Tag, als in London 52 Menschen durch Bombenanschläge in U-Bahnen und einem Bus starben, durch die Seitentür. Nicht die Täter stehen im Vordergrund, ihre inzwischen erschöpfend durchrecherchierten Lebensläufe, Motivkomplexe und sonstigen Hintergründe, und auch nicht die Opfer, obwohl die einen wie die anderen durchaus vorkommen.
Doch die Hauptrolle spielt etwas, das an diesem Tag ordentlich durcheinander gewirbelt wurde, aber trotzdem unzerstörbar bleibt: der Alltag.
Die große Bühne des Schauspiels Hannover beherrscht ein dreifaches Sinn-Bild, das sich wechselseitig die Luft aus der Bedeutung lässt. Muriel Gerstner hat Brueghels düsteren Turmbau zu Babel als bühnenweite Riesenrückwand aufgestellt und schwingt mit dieser London-Metapher erst einmal mächtig den alttestamentarischen Zeigefinger: die todgeweihte, gottverlorene Metropole in der schönsten Blüte ihrer Hybris kurz vor der totalen Sprachverwirrung. Allerdings ist das Gemälde bereits ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Freiburg ist wieder wer. Zumindest in der deutschen Theaterlandschaft. Nach dem Neustart mit Amélie Niermeyer, deren Kreativität und Kraft zuletzt immer unübersehbarer in einem überhitzten Haushaltsstreit mit der Stadtverwaltung verschlissen wurden, hat Intendantin Barbara Mundel in ihrer ersten Spielzeit den Spagat zwischen Kunst und Politik gemeistert: Ihr Haus...
Rimini Protokoll erfindet Theater neu, so könnte man beginnen, wenn man eingeladen ist, als Experte ein großes Lob auf die Preisträger der 32. Mülheimer Theatertage anzustimmen. Und in der Einladung von Experten und ihrer Einbindung in den Rimini-Kontext sind sie erfahren. So versucht der Experte, den Widerspruch aufzulösen, dass «Das Kapital, Erster Band» von...
Vielleicht macht der Ort es notwendig, die Stimme zu erheben, um sich bemerkbar zu machen. Was die Tonfrequenz betrifft, hatte der Beginn der neuen Düsseldorfer Schauspielhaus-Intendanz etwas marktschreierisch Buntes, fleißig assistiert von der Präsenz der Intendantin Amélie Niermeyer in den Gesellschaftsspalten der Lokalpresse. Flankierende Maßnahmen, um sich zu...
