Brennpunkt Rostock: Kunst oder Abriss?
Um kernige Worte war Sewan Latchinian in den letzten Wochen nicht verlegen, wenn er auf die Theaterpolitik im Land Mecklenburg-Vorpommern und in der Hansestadt Rostock zu sprechen kam. «Unsinnig und asozial» nannte der Intendant in einer Ansprache vor der jüngsten «Mahagonny»-Premiere den Bürgerschaftsentscheid, das von ihm geführte Volkstheater um zwei Sparten zu verkleinern. Auf einer Protestveranstaltung in Neustrelitz Anfang März verglich er die Schweriner Beschlüsse zu Theaterfusionen im ganzen Land mit den Kulturerbe-Zertrümmerungen der Terrormiliz Islamischer Staat.
Eine krasse Analogie, keine Frage. Aber die Rostocker Stadtregierung hat es noch immer verstanden, ihre Künstler an Krassheit zu überbieten. Und also beließ es ein eilig einberufener Hauptausschuss der Bürgerschaft nicht bei einer Abmahnung, sondern setzte den erst zu dieser Saison berufenen Intendanten Anfang April kurzerhand vor die Tür. Es wäre die sechste vorzeitige Entlassung eines Rostocker Theaterleiters seit 1989. Aber wie so oft in der Hansestadt färbt auch hier der Konjunktiv das Geschehen. Denn keine zwei Wochen später hat die Bürgerschaft den Gremiumsbeschluss kassiert und alle Beteiligten in die ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Christian Rakow
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Irgendetwas stimmt nicht. Den Eindruck gewinnt man schnell bei Inszenierungen von Susanne Kennedy. Herauszufinden, woran das liegt, ist dagegen nicht so einfach. Doch genau dadurch entsteht der seltsame Sog dieser Arbeiten, mit denen die deutsche Regisseurin mit englischem Namen und Studium an der Amsterdamer Hogeschool voor de Kunsten seit einigen Jahren das...
Gedenktage wirbeln selten was anderes als Archivstaub auf. Aber dieser hier hat es in sich: 100 Jahre Völkermord an den Armeniern. Nicht nur, dass die offizielle Türkei die historische Wahrheit notorisch leugnet. Nicht nur, dass die Gegend um Aleppo heute erneut in Blut und Tränen ersäuft. Nicht nur, dass am ersten generalstabsmäßig geplanten Genozid der Moderne...
