Mehr Wumms
Mit einem «Wumms» durchbricht eine Straßenbahn die Kartonwand, auf der gerade noch eine Projektion flimmerte, und das Fahrzeug wird zum Projektil, mit dem die Schauspieler erstmal das Bühnenbild zusammenfahren. Es rollt also wieder eine Tram durch das ehemalige Straßenbahndepot an der Bockenheimer Warte, eine Straßenbahn namens Sehnsucht. «Desire» steht auf den Flanken des Vollholzgefährts. Zum zweiten Mal inszeniert René Pollesch nun am Schauspiel Frankfurt, und den Titel kann man sich auf der Zunge zergehen lassen: «Je t’Adorno» wie «Je t’adore», «Ich verehre dich».
Unweit des Depots hat der Kopf der Frankfurter Schule residiert, im Institut für Sozialforschung. Das Titelversprechen bleibt jedoch leer: Theodor W. Adorno ist bloß eine Randfigur, verpackt in einige Anekdoten und etwas Lokalkolorit.
Zweierlei ist Sport geworden im Pollesch-Gucken. Erstens: Seine in Serie verfassten Stücke, in denen sich Themen in Variationen fortschreiben, als Temperaturfühler der Gegenwart zu lesen: Wo sind wir? Und zweitens: Wie findet sich das jeweilige Ensemble im Pollesch-Universum zurecht – vor allem außerhalb Berlins? Arbeiten Schauspieler doch tagtäglich in einem Repräsentationssystem, das ...
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Theater heute Mai 2014
Rubrik: Chronik, Seite 57
von Esther Boldt
She She Pop ergründen nach den Vätern auch die Mütter und begeben sich auf
hochvermintes Gelände. Man wolle nicht von Opfer und Schuld sprechen – das kann nur
mit Opfer und Schuld zusammenhängen: «Frühlingsopfer»
Elektrifizierende Anregungen fürs Drama kommen wie immer aus der New Writing Capital London, zum Beispiel Sarah Ruhls «In the Next Room or The Vibrator...
Seit der Gründung des Verlages der Autoren war er dabei, als einer unserer produktivsten Autoren, als willkommener Ratgeber, als immer neugieriger Begleiter und verständnisvoller Kritiker. Ja, es waren seine Tantiemen für die Übersetzung von Labiches «Glück zu dritt», die seinem Verlag, denn er war 1968 einer der Gründungsväter, das erste Geld einbrachten. Ein...
Er muss nichts rechtfertigen. Aber es war Mortier darum zu tun, sich zu erklären, um mit seinem Impuls die ermatteten Kräfte der Bühne energetisch zu laden: in die Zukunft hinein. Der am 9. März 2014 mit 70 Jahren verstorbene Intendant konstatiert in der Einleitung seines Buches «Dramaturgie einer Leidenschaft» eine «Periode der Restauration». Die Aufbrüche, die...
