Chemnitz: Überwältigungstheater
Alles fließt, manchmal schwebt es, aber immer greift alles nahtlos ineinander in diesem Abend im Chemnitzer Schauspielhaus. «Meister und Margarita» in einer meist sehr stringenten Fassung von Regisseur Malte Kreutzfeldt, der eine an den Titel angelehnte klare Zweiteilung des Abends vornimmt. Die ersten 80 Minuten bis zur Pause sind dem namenlosen Meister (Andreas Manz-Kozár) gewidmet.
Der sitzt in seinem Anstaltszimmer am linken Bühnenrand und tippt beharrlich auf seiner Schreibmaschine, während die Handlung seines entstehenden Romans um Pontius Pilatus (Susanne Stein) und Jeshua (Marko Bullak) auf der Bühne Gestalt animmt. Er schreibt und schreibt, und selbst in Abwesenheit schreibt sein projizierter Schatten weiter an diesem Roman, der dann von den offiziellen Stellen doch nur schlecht gemacht wird. Ein alter Meister im selbst gewählten Exil, die Parallelen zur Biografie Bulgakovs, der statt in der Gummizelle als Librettist und Dramaturg in Theatern seinen Rückzugsraum gefunden hat, ist offensichtlich.
Für melancholische Wehmut ist aber keine Zeit, und so montiert Kreutzfeldt einen äußerst bildstarken Hauptstrang dagegen, nämlich die Auftritte des mephistophelischen Voland, ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Mai 2018
Rubrik: Chronik, Seite 56
von Torben Ibs
Pläne der Redaktion
Über die Münchner Kammerspiele und das Programm von Matthias Lilienthal ist in den Feuilletons viel gestritten worden. Was sagen die Schauspieler*innen?
Ein Gespräch mit Katja Bürkle und Wiebke Puls
André Kaczmarczyk hat als Jugendlicher in den 90ern beim «Freien Eisenacher Burgtheater» mitgemacht, dann eine Schauspielausbildung absolviert und...
Torben Ibs Sie sind seit Anfang der Spielzeit neuer Schauspieldirektor in Cottbus. Haben Sie schon Theater für Nazis gemacht, wie Sie es angekündigt haben?
Jo Fabian Ja, immerzu. Ich will niemanden ausschließen. Als Schauspieldirektor muss ich – anders als als Privatperson – dafür sorgen, dass das Theater seine Pforten für alle potenziellen Zuschauer offen hält...
Zweifellos gehört es zu den gelungenen Inszenierungen der Lilienthal-Kammerspiele, den eigenen Abgang zu einer Querelle des Anciens et des Modernes zu stilisieren, mit sich selbst in der Rolle des unverstandenen Erneuerers und der Münchner CSU-Stadtratsfraktion als kleingeistig kläffenden Kultur-Dackeln mit beschränktem Quoten-Horizont. Gewiss muss es von außen...
