Ständig beschäftigt
Es könnte ganz einfach sein – schlicht wie der erste Satz: «Jemand musste Josef K. verleumdet haben, denn ohne dass er etwas Böses getan hätte, wurde er eines Morgens verhaftet.» Im Düsseldorfer Schauspielhaus wuchtet sich erst einmal ein aus sechs Dutzend Männern und Frauen bestehender Chor in schwarzen Anzügen mit passenden Hüten aus den vorderen Parkettreihen, erklettert die Bühne, bringt sich in Aufstellung und skandiert rhythmisch nicht ganz einwandfrei einige Kafka-Aphorismen.
Die Chorgemeinschaft, die vor Spielbeginn und in der Pause das Publikum im Foyer mimisch durchmischt, wird überhaupt ständig beschäftigt, rennt durch den Zuschauersaal, klappt die Türen, summt, singsangt und bringt sich in immer neuen Formationen dekorativ zur Anschauung.
Weiter sind zu sehen, ohne Gewähr auf Vollständigkeit: Akrobaten der Lüfte; Pappkameraden; Tschechow-Birken; wimmelnde Insekten auf weißer Wand; eine Bootsfahrt im schwarzen Nichts; eine Horde Kühe; viele Puppen; eine Porno-Freakshow mit fleischfarbenen künstlichen Pimmeln und Riesenärschen; ein Monsterbaby; ein zertrümmerter Flügel; ein fliegendes Tandem; Rückprojektionen; Trickfilm-Einspielungen. Dazu eine sich toll gebärdende ...
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Theater heute November 2012
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Andreas Wilink
Aachen, Theater
10. Erpulat/Hillje, Verrücktes Blut
R. Eike Hannemann
15. Goethe, Iphigenie auf Tauris
R. Jörg Reimer
16. Collodi, Pinocchio
R. Jonas Knecht
Aalen, Theater der Stadt
3. Wittenbrink, Am offenen Herzen
R. Boris Leibold
Altenburg/Gera, TPT
17. Andersen, Die kleine Meerjungfrau
R. Frank Engel (in Gera)
24. Fo, Bezahlt wird nicht
R. Marcus Rehberger (in Altenburg)
Anna...
Das Marathon-Camp, das Ende September in Graz stattfand, war eine kalkulierte Überforderung. 250 Künstler, Theoretiker und Aktivisten waren Teil eines Programms, in dem es um nicht weniger als die Wiedergeburt der Kunst aus dem Geiste des Politischen ging. Rund um die Uhr waren bei der Auftaktveranstaltung des Steirischen Herbsts Diskussionen angesetzt,...
Die beiden unterschätztesten Theaterbücher des Jahres erscheinen alljährlich im September: die «Theaterstatistik» mit den «wichtigsten Wirtschaftsdaten» der Bühnen und die nicht weniger spannende Werkstatistik «Was wird gespielt», herausgegeben vom Deutschen Bühnenverein in Köln. Jeweils mehrere hundert Seiten Zahlenkolonnen zu noch den kleinsten öffentlichen...
