Abschied mit «Uncertainty»
Die alljährliche Suche eines geeigneten Festivalmottos stellt eine der größten Herausforderungen für das Kuratieren wiederkehrender Festivalreihen dar. Einerseits muss die vermeintliche thematische Klammer eine möglichst grundlegende Differenz zur letztjährigen Festivalausgabe markieren. Darüber hinaus sollte sie Ausdruck eines versierten kritischen Gesellschaftsbewusstseins sein, das sich inhaltlich in flankierenden Diskursveranstaltungen weiterverfolgen lässt.
Andererseits benötigt das optimale Festivalmotto natürlich ein ausreichend großes begriffliches Unbestimmtheitspotenzial, das seine Unverbindlichkeit den eingeladenen künstlerischen Arbeiten gegenüber gewährleistet. Mit «Uncertainty» – Unsicherheit, Ungewissheit – erfüllte das diesjährige Motto der fünften und letzten Ausgabe des internationalen Festivals Foreign Affairs die Anforderungen also geradezu vorbildlich.
«Uncertainty» herrschte beim Festival vor allem hinsichtlich der Zukunft der zeitgenössischen performativen Künste bei den Berliner Festspielen, die der nach vier Jahren scheidende, zukünftig als Ko-Kurator des Athen- und Epidaurus-Festivals tätige Festivalleiter Matthias von Hartz in seiner Eröffnungsrede ...
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Theater heute Oktober 2016
Rubrik: Festivals, Seite 29
von Anja Quickert
Schade, wäre schön gewesen. Die drei Millionen Zuschauer mehr, die die gerade veröffentlichte, inzwischen 50. Theaterstatistik des Deutschen Bühnenvereins zum Ende der Spielzeit 2014/15 ausweist, sind keine drei Millionen mehr. Sondern nur ein Sondereffekt, weil eins der großen Musicalunternehmen, die sich sonst nicht so gerne in ihre wirtschaftlichen Karten...
Mit einem Dräuen hebt es an; eine Tür knarrt, eine Fliege surrt, dann bebt ein Signal, wie aus einem Nebelhorn in die Luft gebohrt. Die Töne kommen aus den unteren Stockwerken des Hauses, aus denen die dreiköpfige Bürgerfamilie samt Dienstmädchen Cruche gerade geflohen ist und weiter fliehen wird. Immer höher hinauf, bis ins Dachgeschoss, wo der Platz eng wird....
Wie ihr Name bereits nahelegt, sind die Wunderlichs eine Familie mit betont hohem Unterhaltungsfaktor. Mutter Liliane (Hannelore Elsner) leistet sich eine ausgereifte Altershypochondrie und traktiert ihre Tochter Mimi (Katharina Schüttler) mit melodramatischen Tumordiagnosen. Dagegen wirkt das Krankheitsbild von Mimis Vater Walter (Peter Simonischek) geradezu...
