Zufriedenheit im Mittelmaß

Trotz Studio Brauns anarchistischen «Dorfpunks» bleibt das Hamburger Schauspielhaus unter Friedrich Schirmer lahm und lieb – eine Zwischenbilanz

Theater heute - Logo

Gründe, kritisch zu sein, gibt es genug», schreibt Friedrich Schirmer im Vorwort zum neuen Spielplanheft des Deutschen Schauspielhauses. Zwar meint er damit mehr die Verhältnisse in der Welt, aber zu den Verhältnissen in seinem Theater gibt es ja auch einiges zu sagen. Inszenierungen, Schauspielerleistungen, Intendantenscherze, Spielplanentscheidungen, Zuschauerzahlen, Service, Ausstrahlung oder die Streitbarkeit der Dramaturgie liefern den Stoff, um der Bitte Schirmers bei seinem Antritt 2005, erst nach drei Jahren ein vorläufiges Resümee zu ziehen, nachzukommen.

Diese von allen Intendanten gerne geforderte Karenzzeit ist zwar eigentlich ein verbaler Disziplinierungsversuch, um zu harsche Kritik an ersten Fehlentscheidungen zu mäßigen. Aber nun, da drei Jahre um sind – in denen die Kritik dann doch lieber das gemacht hat, wofür sie da ist, nämlich zu kritisieren –, lässt sich auch Schirmers Wunsch nach einer Zwischenbilanz erfüllen.
   

Zur Konsolidierung bestellt

Zunächst sei daran erinnert, wozu er bestellt wurde. Nach vier verkorksten Jahren unter Tom Stromberg, in denen laue Experimente, gedankenleeres Bildertheater und Regisseure, die woanders bessere Inszenierungen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Juni 2008
Rubrik: Aufführungen, Seite 31
von Till Briegleb

Vergriffen
Weitere Beiträge
Facetten des Müßiggangs

Das Publikum zu beiden Seiten des schmalen schwarz glänzenden Steges, meist einander ins Gesicht schauend, manchmal vom glitzernden Glasperlenvorhang getrennt, jubelt. Claudia Bauer muss etwas von dem Lebensgefühl dieser Generation getroffen haben, die sich mit Büchner zumindest in der schönen Sequenz einig weiß: Wer arbeitet, ist ein subtiler Selbstmörder. Allzu...

Im halb so wilden Osten «Zeppelini»

Die Landschaft ist ähnlich, die Menschen sind es nicht. Ieva kommt aus dem ländlichen Litauen nach Schleswig-Holstein als eine Art Erwachsenen-Au-pair in die Familie Leysing. Daheim hat der Bruder den Hof der Großmutter verspekuliert und möchte auf diesem Weg die Schwester in Sicherheit bringen. Der wilde Osten weht aus dieser Geschichte, natürlich auch als...

Go home

Der junge bosnische Autor Sasa Stanisic («Wie der Soldat das Grammofon repariert») war 2006/07 Stadtschreiber in Graz und schrieb dort sein erstes Theaterstück: Gemeinsam mit dem Regisseur Tom Kühnel und der Puppentheatermacherin Suse Wächter entwickelte Stanisic im Auftrag des Schauspielhauses ein «musikalisches Projekt». Die Handlung ist an die (wahre) Geschichte...