Ein Imperium zerfällt
Der 1958 im belgischen Sint-Niclaas geborene Autor Tom Lanoye hat bereits mehrfach unter Beweis gestellt, wie gekonnt er alte Stoffe bearbeitet und neuschreibt. Bei «Mamma Medea» und «Atropa» waren es die Dramen des Euripides und Aischylos, in «Hamlet versus Hamlet», seinem Opus magnum «Schlachten!» und jetzt «Königin Lear» die großen Königsdramen Shakespeares, denen er mit seinen Adaptionen oft eine neue und eigene Sichtweise eingeschrieben hat.
Seine wichtigsten Mittel sind dabei die Fokussierung auf den zentralen Konflikt sowie die sprachliche und szenische Aktualisierung, die bis zur kompletten Transformation der Geschichte in die Gegenwart reichen kann – wie jetzt in «Königin Lear».
Tom Lanoyes Hauptfigur Elisabeth Lear ist folgerichtig auch keine Monarchin mehr, sondern ihr modernes Äquivalent: Sie ist die Chefin eines global agierenden Großkonzerns. Gegründet von ihrem Großvater als kleines Familienunternehmen, haben erst ihr Vater und schließlich sie selbst die Firma an die weltweite Spitze geführt. Um sich in der männlich dominierten Finanzwelt nicht nur als ebenbürtige Geschäftspartnerin, sondern auch als respekteinflößende Führungskraft über Jahrzehnte hinweg behaupten ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 167
von Sibylle Baschung
A
Ibrahim Amir
Homohalal (Theater Dresden)
Thomas Arzt
Die Neigung des Peter Rosegger (Schauspielhaus Graz)
B
Lukas Bärfuss
Frau Schmitz (Schauspielhaus Zürich)
Anna Bechstein
Paulette (a.gon Theaterproduktion München)
Hannah Biedermann
Er – Sie – Es (Junges Ensemble Stuttgart)
Metapolis (Junges Staatstheater Braunschweig)
Bov Bjerg
Auerhaus (Deutsches Theater...
Der Zeit ihre Kunst. Der Kunst ihre Freiheit.» So steht es in goldenen Lettern über dem Eingangsportal der Wiener Secession. Passanten, die diesen Spruch lesen, spüren jedoch im Rücken schon das Hauptquartier eines Glücksspielbetreibers und Kulturgroßsponsors, das sich an der gegenüberliegenden Seite der Wienzeile befindet. Es gibt wohl kaum einen anderen...
Ich schreibe aus Rache», bekennt die spanische Autorin, Regisseurin und Performerin Angélica Liddell. Aus Rache an ihrer Familie, dem Patriarchat, den Gewaltmechanismen der Gesellschaft. Medium dieser Rache sind Liddells inzwischen legendär gewordenen Hassmonologe, und ihre Waffe ist Liddells eigener Körper. Mit Impuls und Geschwindigkeit eines Maschinengewehrs...
