Dritte deutsche Welt

Jörg Giese/Esther Steinbrecher «Auswärtiges Amt»

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Tränen werden beim Abschied in Halle-Neustadt nicht vergossen. Fröhlich kräht eine Gruppe Menschen «Auf Wiedersehen, Sachsen-Anhalt» und «Tschüss, Halle» in den Nacht­him­­mel. Wer sich am Bahnhof der eins­tigen Chemiearbeiter-Schlafstadt aufhält, winkt zurück. Die meisten Leute hier kennen die Prozedur. Sie haben sich an den Anblick von mit Akten bestückten, manchmal auch kleine Gläs­chen mit Urin tragenden Petitenten gewöhnt.

Jetzt freuen sie sich mit denen, die – begleitet von zwei blau gekleideten Assistenten – aus dem Bahnhof hinaus zu einem Flugzeug streben, das sie in das Land ihrer Wünsche tragen wird. Denn diese Glücklichen haben den Trainingsparcours des «Aus­wär­tigen Amtes» erfolgreich absolviert.

«Auswärtiges Amt» ist eine Hybri­de aus politischer Travestie, Theater, Intervention und Live-Rollenspiel, die von Jörg Giese und Esther Steinbrecher entwickelt und jüngst im Rahmen von «Neustaat», der vom Thalia-Theater Halle und dem Bauhaus Dessau initiierten Belebung des Bahnhofes Halle-Neustadt, durchgespielt wurde. «Auswärtiges Amt» dramatisiert die von eini­gen Medien konstatierte «Aus­wan­de­rerwelle» und stempelt den Zuschauer zum Wirtschaftsmigranten.

Es gilt ...

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Theater heute Dezember 2005
Rubrik: Chronik, Seite 41
von Tom Mustroph

Vergriffen
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