Gemeinsam einsam
Die Jugendstilbühne der Münchner Kammerspiele liegt in tiefem Nebel. Von goldgelbem Licht durchglühte Trockeneisschwaden dampfen aus der Nebelmaschine. Auch der Nieselregen vom Theaterhimmel sowie die federleichten Felsbrocken und Grasbüschel, die fünf hemdsärmelige Arbeiter in diesem hochwandigen Museumsmagazin bereits ausgiebig von vorne nach hinten geräumt haben, sind offensichtlich künstlich.
Jetzt greift sich der durchtrainierte Schauspieler Franz Rogowski einen Styroporstein, als sei’s ein Baywatch-Rettungsbrett, und schmeißt sich wie ein übermütiger Delfin auf den nassen Boden, um wieder und wieder triumphal über die Diagonale zu glitschen. Dazu liefert sein Kompagnon Stefan Merki fantastische Trommelwirbel, die, zusammen mit eingespieltem Sphärenbrausen, dem sinnfreien Treiben auch akustisch hypnotische Dichte und Plastizität verleihen.
Leider ist diese rauschhafte Rutschszene ein ziemlich einsamer Höhepunkt in Philippe Quesnes erster Münchner Produktion «Caspar Western Friedrich». Und das, obwohl die Komponenten der Inszenierungsinstallation durchaus vielversprechend sind: Quesne übersetzt bildnerische Motive des romantischen Greifswalder Malers Caspar David Friedrich in ...
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Theater heute März 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 15
von Eva Behrendt
In Jean Baudrillards Denken, vor allem seinem späten, rechten Ideologien zuneigendem, gibt es eine starke Verkettung von Langeweile und Hass. Sein ständiger Abgesang auf die geistlose Leere der modernen Gesellschaft, auf die verderbliche westliche Werte-Suggestion durch Warenanreize und das mediale Ereignis-Voodoo, zeugte recht offen von seiner Sehnsucht nach dem...
Was Heiner Müllers «Horatier» gerade heute zum Terrorismus zu sagen hat
Der namenlose Kämpfer stößt dem verwundeten Gegner, der am Boden liegt und «mit schwindender Stimme» um Schonung bittet, «sein Schwert in den Hals, daß das Blut auf die Erde» fällt, er wirft sich das blutige Schlachtkleid des Getöteten über die Schulter, steckt sich dessen Waffe in den Gürtel...
Nicht nur Fliegen wäre schöner, sondern auch schon ein Sonntagsausflug, bei dem nicht nachträglich die Biergartenzeche bis auf den Pfennig nachgerechnet würde. Dabei hat Otto «Mensch» Meier seine Träume ohnehin schon auf Miniaturformat geschrumpft, wenn er nachts im Hobbykeller an seinen Modellflugzeugen bastelt. Tagsüber ist er für 14 Schrauben am neuen BMW-Modell...
