Hauptsache Haltung!
Es heißt ja immer, dass Kunst ihrer Zeit voraus eilen solle, dass sie im besten Falle die Wirklichkeit kennt, noch ehe diese sich selbst vollständig durchdringt. In diesem Sinne hatte Volker Lösch seine große Stunde 2004 am Staatsschauspiel Dresden, unter Intendant Holk Freytag, mit seiner Adaption der «Weber» von Gerhart Hauptmann.
Die zündelnden Hassparolen des Bürger- und Arbeitslosenchores, den Lösch damals für seinen Verschnitt der hauptmannschen Pauperismus-Parabel herbeigerufen hatte, hallen noch heute nach: die Anklage des Hartz-IV-Bundeskanzlers Gerhard Schröder als «Verräterschwein», das Wüten gegen Polit-Talkshows, das in dem notorischen und bald auch gerichtlich verbotenen Satz gipfelte: «Wen ich sehr schnell erschießen würde, das wäre Sabine Christiansen.»
Das alles nimmt man jetzt, elf Jahre später, als düstere Vorzeichen wahr, jetzt, da die Chöre nicht mehr auf den Bühnenbrettern stampfen, sondern quer durch die Dresdner Innenstadt; da die «Patriotischen Europäer» allmontäglich und neuerdings mit Galgen in der Hand die Polit-Riege um Angela Merkel und Sigmar Gabriel aufgeknöpft sehen möchten und pauschal der «Lügenpresse» ans Leder wollen (zu ihrem Glück ist Sabine ...
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Theater heute Januar 2016
Rubrik: Aufführungen, Seite 14
von Christian Rakow
Motivzeichnung zu «Mosch», mein erster Film (WDR 1980)
«Blick wie in einen Käfig; der kahle Hinterhof der Seifenpulverfabrik meines Großvaters in Wuppertal. Meine Mutter hatte als Kind manchmal ein Anemonensträußchen auf den Mauervorsprung gestellt. Es ist kein Ausgang zu sehen.Womit sollte ich mich als entlassener Kriegsgefangener ohne Schulabschluss in der Zeit...
fassung
mange ton dasein!
lacan
tatsächlich gibt es nichts, was auf so unerträgliche art und weise unbrauchbar und überflüssig wäre wie das organ, das herz genannt wird, dieses schmutzigste aller mittel, das die wesen erfinden konnten, um leben in mich zu pumpen.
artaud
per medulam cordis mei,
peccatoris atque rei,
tuus amor transferatur,
quo cor tuum rapiatur
...
Der Nutzen der Kunst besteht in ihrer Nutzlosigkeit: Mit diesem Paradox wollte Adorno die Kunst vor ihrer Vereinnahmung retten – sei es durch die sogenannte Kulturindustrie, sei es durch propagandistisch gestimmte 68er, die jene mit Kunst bekämpfen wollten. Heute, fast ein halbes Jahrhundert später, scheint seine Überzeugung so wenig verbreitet, wie sie es zur...
