Richard mit Vorgeschichte
Beim Einlass: Ein Knabe auf dem Thron, der versonnen auf seinem Handy spielt, während die Krone auf seinem Schoß liegt. Um ihn herum, auf Klappsitzen, ehrenwerte Lords in ihren Roben. Die Wandvertäfelung des Bochumer Schauspielhauses hat die Bühnenbildnerin Magda Willi in einer Spanholzversion auf die Vorbühne verlängert. Das britische Parlament: Das sollen irgendwie auch wir Zuschauer sein. Der Knabe auf dem Thron ist der junge Heinrich VI., der mit neun Monden König wurde. Wenn «Richard III.» einsetzt, ist er schon tot.
Roger Vontobel will die Vorgeschichte mitliefern: Wie war das eigentlich, als die Yorks und die Lancasters sich bekriegten und sich nicht auf einen gemeinsamen König verständigen konnten? Wie wurde Richard, der dritte Sohn des Herzogs von York, also der mit den geringsten Thronfolgeaussichten, zu dem Monster, als das er in die Geschichte einging?
So viel Geschichtsunterrichtsehrgeiz ist lobenswert. Shakespeare allerdings war der Ansicht, dass «Richard III.» sich von selbst versteht, sonst hätte er kein eigenständiges Drama daraus gemacht. Die Trilogie «Heinrich VI.», selten gespieltes Jugendwerk, wurde nicht als Vorlauf zum «Richard» geschrieben, sondern um ihrer ...
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Theater heute Dezember 2012
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Martin Krumbholz
Am Eingang des beinahe dunklen Raumes hat sich ein Stau gebildet. Einige wollen raus, andere rein. Diese wollen, so scheint es, nicht in etwas hineingezogen werden, was sie nicht überschauen und was ihnen ganz buchstäblich unheimlich ist, jene sind sich nicht sicher, ob die sich stauende Menge Teil des Kunstwerks ist oder vielmehr dieses vor ihren Augen verdeckt....
Die Geschichte beginnt an einer tristen Currywurstbude, die Bühnenbildnerin Maria-Alice Bahra mit schönem Realismus auf die Bühne des Großen Hauses in Hannover gebaut hat. Davor lungern die üblichen Verdächtigen, unsichtbare Gestalten, die Balladensänger der Straße, deren Antlitz man sofort vergisst, wenn man ihnen doch einmal zufällig in die Augen blickt.
Alles...
Das Gute liegt oft näher, als man denkt: Schwerpunktthema der österreichischen Nationalbühne ist in dieser Spielzeit österreichische Literatur. Eröffnet wurden die Österreich-Wochen am Burgtheater mit einer hauptsächlich effektvollen Inszenierung von Ferdinand Raimunds Psycho-Zaubermärchen «Der Alpenkönig und der Menschenfeind» durch den jungen Regisseur Michael...
