Doch das Fleisch ist schwach
Mit Festivals ist es wie mit guten Weinen. Bei beiden gibt es unterschiedliche Jahrgänge, selbst wenn sie schon lange vom selben Team betreut werden. Bereits zum sechsten Mal richteten die Kuratoren Tilmann Broszat und Gottfried Hattinger nun das biennale Münchner Theaterfestival Spielart aus, und auch wenn man sagen kann, dass 2005 wohl nicht als Spitzenjahr in Erinnerung bleiben wird, so gab es doch neben manch Leichtgewichtigem auch einige bemerkenswerte Importe zu entdecken, über die sich zumindest gut streiten ließ, was ja mitunter mehr wert ist als einhellige Begeisterung.
Happy Meal mit Rodrigo Garcias
Musste man angesichts des rot glitzernden Logo-Herzchens und des gefühlig-gefälligen Mottos «P.O.P. – Passion_Obsession_Pathos» anfangs befürchten, Spielart ginge diesmal ganz gegen seine Gewohnheit auf sentimentalen Schmusekurs mit dem Publikum, so konnte man schon beim Eröffnungsabend einigermaßen beruhigt sein: «Die Geschichte von Ronald, dem Clown von McDonalds» von Rodrigo Garcia und seiner spanischen Truppe La Carniceria Teatro ist alles andere als ein leicht verdauliches Happy Meal, sondern vielmehr eine intelligent-unappetitliche Abrechnung mit den Auswüchsen der ...
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Pilgern ist Pop in diesen Zeiten. Als der Papst kam, feierten im karnevalserprobten Köln katholische Jugendliche in unübersehbaren Massen unterm Kreuz ihre neu entdeckte Spiritualität, und es war nicht immer ganz klar, ob sie gerade «Helau» oder «Heiland» riefen: Pilgern ist zum Event verkommen, bei der der einsamen lieben Seele keine Ruhe mehr gelassen wird....
Ein Käsebrot ist ein Käsebrot ist ein Käsebrot ... mehr Kalorien- als Symbolgehalt, kein Requisit, von dem man sich auf dem Theater groß etwas erwarten würde, als dass sich ein Schauspieler im falschen Moment daran verschluckt. Doch manchmal kann ein Käsebrot eben auch mehr sein als krümelnder Proviant, den man gern im Gepäck vergisst. Anja Hillings neues Stück...
Für das Theater zu schreiben, ist ein eigenes Ding, und wer es nicht durch und durch kennet, der mag es unterlassen», meinte Goethe am 4.2.1829 zu Eckermann. Diese Maxime ließe sich leicht in «für das Theater zu übersetzen» umformulieren, und leider ist sie noch zutreffender, wenn es um das Schreiben über Theaterübersetzungen geht. Allzu oft gewinnt man den...
