Joachim Lux über Peter Handkes «Immer noch Sturm»
Peter Handkes «Immer noch Sturm» ist kein Stück, kein Drama, kein Lesedrama, keine Prosa, sondern eine für das Theater gedachte szenische Erzählung. Der Sprache nachhören und sie dennoch szenisch zu vergegenwärtigen, sie ins Figurenspiel zu holen, ohne sie zu verkleinern, dem Theater zu seinem Recht zu verhelfen, ohne die Literatur zu zerstören, ein dreidimensionales poetisches Raumgewölbe zu errichten, das feinstofflicher ist als Theater, aber gleichwohl Erzählkraft, Humor und Konkretion hat – das ist die schwere Aufgabe, der man sich stellen muss.
Eine Bewältigungsherausforderung für das Theater und Anlass, eine grundsätzlichere Anmerkung zu machen, die dennoch mitten in diesen Text hineinführt: Häufig wird beklagt, das Theater zerstöre mit seiner Willkür und Grobschlächtigkeit die Autoren. Vergessen wird dabei allerdings, dass die besten unserer Autoren, so unterschiedlich sie auch sind, ihrerseits das Theater produktiv verstören, Zumutungen formulieren, denen sich das Theater erst einmal gewachsen zeigen muss. Diese Texte reißen dem Theater die Instrumente aus der Hand. Solche Texte hat Peter Handke schon öfter geschrieben: von der «Publikumsbeschimpfung» bis zu «Die Stunde da ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Jahrbuch 2011
Rubrik: Die neuen Stücke, Seite 152
von Joachim Lux
Iwan Wyrypajew will, dass seine Stücke nicht mehr gespielt werden. «Juli», «Sauerstoff», «Genesis Nr. 2»: «Schluss damit! Das war Experimentierphase», sagt er und verwirrt mich, der junge Russe: «Das neue Stück muss ich noch abkühlen lassen – die Emotionalität wegstreichen.» Aber haben nicht seine Theatertexte gerade wegen « … der Gier, der Erotik des Opfers, der...
Drei Flugbegleiterinnen, namenlos, gefangen im interkontinentalen Streckennetz. Ihre Rolle zwingt sie, sich inmitten des sie umgebenden unaufhörlichen Treibens dem Korsett genau choreographierter Bewegungsabläufe anzupassen. Ihr Sprechen ist lehrgangsgeschult. Ihr Umgang mit problematischen Fluggästen entnehmen sie dem Handbuch zur Psychologie von Angstpatienten....
Irene Bazinger, «Frankfurter Allgemeine Zeitung»
Deutschsprachiges Stück: Ewald Palmetshofer «tier. man wird doch bitte unterschicht»
Ausländisches Stück: Lucy Prebble «Enron»
Inszenierung und Dramaturgie: Marius von Mayenburg, Mayenburg «Perplex», Schaubühne Berlin
Bühnenbild/ Kostüme: Bühne: Katja Haß, Herzberg «Über Leben», Deutsches Theater Berlin Kostüme: Bert...
