Übers Ohr rückt sie noch näher
So langsam wird die Luft dünn für Jurys, die Rimini Protokoll mit einem noch nicht erhaltenen Preis auszeichnen wollen. Den Deutschen Hörspielpreis der ARD jedenfalls haben Helgard Haug und Daniel Wetzel jetzt auch: Bei den ARD-Hörspieltagen, die zum neunten Mal im Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) stattfanden, lag ihr Hörspiel «Qualitätskontrolle oder Warum ich die Räuspertaste nicht drücken werde» vorn.
Was bei der abschließenden Preisgala keine echte Überraschung war, hatte sich die fünfköpfige Jury doch schon in der öffentlichen Diskussion nach der Vorführung durchweg beeindruckt gezeigt. Beim per Internetabstimmung vergebenen Publikumspreis ARD Online Award lag die WDR-Produktion «Qualitätskontrolle» knapp hinter dem Stationendrama «Chapters» (HR) von Bettina Erasmy über die Erlebnisse und Begegnungen einer jungen Frau, die auf der Straße lebt.
Einen Publikumspreis hat «Qualitätskontrolle» allerdings schon. Schließlich entstand aus dem Stoff zunächst eine Theaterproduktion, die am Stuttgarter Staatsschauspiel in den letzten Wochen der Intendanz von Hasko Weber herauskam, und bei den Mülheimer Stücken (s. TH 5/13) besagte Auszeichnung erhielt. Doch die ...
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Theater heute Januar 2015
Rubrik: Magazin, Seite 67
von Andreas Jüttner
Er denke noch daran, wie schön sie es doch hatten, trotz allem, sagt der alte Mann, bevor er die Schlinge festzieht und springt. Das gute Leben für ihn, seine Frau und den Sohn hat er am Ende freiwillig mit dem eigenen Leben bezahlt. Man wollte nicht in einer Plattenbaubruchbude am Stadtrand wohnen, man wollte Auslandsreisen machen, der Sohn sollte studieren...
1 Heiner Müllers Stücke werden gegenwärtig wenig gespielt – trotz ihrer unbestreitbaren poetisch-sprachlichen Kraft, trotz ihres großen historischen Atems, den man bei kaum einem anderen neueren Autor findet, trotz der Brillanz seiner messerscharfen Formulierungen. Sie erleiden das Schicksal der ganz aktuellen Zeitung von gestern, die stets als das Älteste...
Hauptmanns Dachboden in den «Ratten» hat einen doppelten Boden: den der sozialen Tragödie und den der ästhetischen Debatte. Das macht das Stück so attraktiv. Man kann barmende Mitleidsdramatik darin ebenso unterbringen wie deftige Selbstveralberung des Theaters. Volker Löschs Düsseldorfer Inszenierung potenziert diese Gespaltenheit des Stückes noch, weitet die...
