Fragen gegen das Leid
Oft führt man Gespräche mit Kolleg*nnen und Freunden über die Frage, ob etwas Kunst ist, und wenn ja, darf es das? Selten führt man ein Gespräch mit jemanden wie Thomaspeter Goergen, der Dramaturg und Jurist zugleich ist.
Dieses Gespräch habe ich kürzlich mit ihm geführt, und wir kamen auf folgende Gedanken.
Der Jurist sagt, die Kunst ist frei, und hat gleichzeitig Schwierigkeiten zu bestimmen, was da überhaupt frei sein soll. Kunst ist sogar für Juristen offenbar schwieriger zu definieren als zum Beispiel die Religion.
Wahrscheinlich hat man aber beim Grundgesetz nicht wie Beuys gedacht, denn dann hieße der Artikel ja in etwa «Die Schaffung neuer Formen, in unserer Gesellschaft zu leben, ist frei». Man kann sicher formal oder materiell versuchen, sich an Kunst anzunähern. Kunst ist dabei etwas sehr Ethisches. Der Gedanke Ästhetik gleich Ethik ist nicht neu; die ethischen Aufgaben erneuern sich aber.
Wie wir uns verhalten, Menschen und die Welt behandeln, ist heute vielleicht mehr als je zuvor nicht mehr von einem inneren Zensor beherrscht; es sind unsere Wahrnehmungen, die kontrolliert werden, bevor sie in unserem Hirn überhaupt zum Gedanken werden können. Der Satz von ...
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Theater heute Jahrbuch 2016
Rubrik: Grenzen der Kunstfreiheit, Seite 58
von Ersan Mondtag
Wo liegen die Grenzen der Kunst? Gibt es überhaupt etwas «außerhalb» von Kunst? Kunst ist frei. Ist sie vielleicht so frei, dass keine Definition sie erwischen kann? Um darüber nachzudenken, wann Kunst sich nicht mehr Kunst nennen darf, wäre ja vorerst tatsächlich zu klären: Was ist denn Kunst? Ich muss an meinen Patenonkel denken, der auf die Frage: «Was ist...
Unter den jungen und aufgekratzten Menschen, die an diesem Frühsommerabend an den Cafétischen vor der Amsterdamer Stadsschouwburg sitzen, ist er der Mann, der am lautesten lacht. Es ist ein dröhnendes, markerschütterndes Lachen, das wie ein Theatereffekt wirkt. Simon Stone trägt einen eng sitzenden dunkelblauen Anzug, er zeigt seine prächtigen weißen Schneidezähne...
Die Frage danach, wo für mich die Freiheit der Kunst ende und welches Beispiel aus der Arbeit im Zentrum für Politische Schönheit hierbei erkenntnisreich sei, beantworte ich hier zum vielleicht richtigen, aber unangenehmen Zeitpunkt. Der Blick auf die Grenzen der künstlerischen Freiheit ist nach innen gerichtet. Und doch ändert sich ständig die Blickrichtung. Ich...
