Auf der Arschseite
Man trifft an diesem Abend lauter gute alte Bekannte. Gemeint sind weniger die Kollegen und Theatermacher, die sich zur Rimini-Protokoll-Premiere von «Adolf Hitler: Mein Kampf, Band 1 & 2» nach Weimar aufgemacht haben, sondern vor allem das Bühnenbild, das Langzeit-Rimini-Beobachter bereits aus der Inszenierung «Karl Marx: Das Kapital, Erster Band» kennen und das jetzt seine Rück- oder besser: «Arschseite» der vor rund 90 Jahren erschienenen Hetzschrift zur Verfügung stellt.
Auch der Blindenschriftrezitator Christian Spremberg, dessen stoisch-freundliche Ausstrahlung schon «Das Kapital» mitprägte, ist erneut mit von der Partie.
So stark, wie es das Recycling nahelegt, ist der Hitler- dann aber doch nicht als Antithese zum Marxabend konzipiert. Ende 2015 laufen die Urheberrechte aus, die bisher in Deutschland den Neudruck von «Mein Kampf» verhindert haben: Anlass für eine Recherche rund um das im «Dritten Reich» 12,4 Millionen Mal verkaufte Giftschrankwerk, das theoretisch demnächst wieder gedruckt, praktisch aber wegen Volksverhetzung schnell wieder kassiert werden könnte.
Helgard Haug und Daniel Wetzel haben ihr sechsköpfiges Ensemble gewohnt brillant gecastet. Juraprofessorin ...
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Theater heute Oktober 2015
Rubrik: Chronik, Seite 67
von Eva Behrendt
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Einer springt. Karim, der Palästinenser aus der ummauerten Stadt Qalqilya, aus der es keinen Weg gab ins nahegelegene Tel Aviv, ans Meer. In dieser Festung lernte er Parkour, eine Sportart, in der man sich in den Weg stellende Hindernisse durch Kombination verschiedener Bewegungen so effizient wie möglich zu überwinden versucht: ein Sport, eine akrobatische...
Woran denke ich, wenn ich mich heute an Bert erinnere? Ich sehe natürlich den Friedhof vor mir, in diesem kleinen Ort, wo er jetzt, neben seinem Sohn, begraben ist – was für ein tief trauriges Bild. Aber ich sehe ihn auch in München im Englischen Garten stehen mit seiner Familie, ich sehe uns beide auf der Pariser Opernbühne in einem unglaublichen Buh-Orkan, ich...
