Darstellerische Kabinettstücke

Andrea Breths «Zwischenfälle» nach Charms, Courteline und Cami entführen in eine Welt der Groteske

Theater heute - Logo

Fern sei es von mir, die Kompetenz der Jury des Theatertreffens in Zweifel zu ziehen. Ich wollte nie dabei sein (Joachim Sartorius ist mein Zeuge), will es auch künftig nicht. Keineswegs bloß aus Bequemlichkeit: Ästhetische Urteile erscheinen mir prinzipiell fragwürdig, daran kön-nen Mehrheitsentscheidungen wenig ändern. Lieber verlasse ich mich deshalb auf meine eigenen Irrtümer – und habe so nicht für jene an­derer gerade zu stehen. Klar jedoch, dass irgendein Gremium die Auswahl treffen muss.

Trotzdem vermag ich in einem Punkt meine Betrübnis kaum zu verhehlen.

Denn schon früher suchte ich den Namen Andrea Breth vergeblich in der Liste der Nominierten. Dabei hatte sie mich mit der wundersamsten Klassikeraufführung seit Jahren beglückt: Kleists «Zerbrochner Krug» bei der Ruhrtriennale in Essen im September 2009. Welch herrliches Ensemble rund um Sven-Eric Bechtolf! Wie tief und scharf blickte die Regie in geheimste Seelenwinkel der Figuren, also auch von uns selbst. Ein Grund für das Fehlen dieser Produktion unter den «zehn bemerkenswertesten Inszenierungen der Saison» mag ge­wesen sein: Sie wurde von keinem anderen Festival oder Haus übernommen. Für die jüngste Meisterleistung ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Mai 2011
Rubrik: Best of … Theatertreffen, Seite 18
von Ulrich Weinzierl

Weitere Beiträge
Generation Ego-Shooter?

Etwas vom Äpfel-und-Birnen-Vergleich haf-tet dem Körber Studio Junge Regie in der Gaußstraße in Hamburg jedes Jahr an: Die Performance-Brutstätten Hildesheim und Gießen und beispielsweise das Salzburger Mozarteum mit seinem klassischen Schauspielbegriff liegen in ihrem Selbstverständnis auf denkbar weit entfernten Theaterplaneten – die sich dieses Jahr mehr denn je...

Politik im Liegen

Warum kann man sich kein Musical vorstellen, das von Phil Collins handelt? Oder von Paul Mc­Cartney nach den Beatles? Von Nena gar? Das sind Fragen, die man sich auch noch stellen kann, wenn man drei Musiker-Musicals in loser Folge schaut, die im ersten Moment wenig eint. Außer der Tatsache, dass es nun auffallend viele Produktionen gibt, die Musikerbiografien...

Der badische Renditebürger

Wir sind im Nordschwarzwald, der ganz plötzlich zu einem Arizona für arme Badener wird. Der Grund ist dieser Dauerpraktikant Friedrich, der eine Goldader irgendwo im dunklen Forst erfindet, eine Superren­dite verspricht und die imaginäre Wertschöpfungskette dem Chef seiner letzten Praktikumsfirma verkauft. Auf Dauer kann das nicht funktio­nieren, also versucht...