Souveräner Potenzverschleiss
Der raumhohe Kupferkasten, den Johannes Schütz an die Bühnenrampe des Düsseldorfer Schauspielhauses gerückt hat, ist kein Ort für die Liebe als barocke Sinnenlust. Herzog Orsino (Guntram Brattia) krempelt sich die Ärmel hoch, macht sich an die Schwarzarbeit und streicht die spiegelblanken Flächen. Während eine Blackbox entsteht, dunkelt auch der Zuschauersaal allmählich ein. Es wäre wert zu untersuchen, inwiefern Jürgen Gosch und sein Ausstatter Johannes Schütz sich an der Bildenden Kunst orientieren.
Wenn das schimmernde Metall sich mit Schlieren überzieht, übermalt scheint, Struktur ent-steht und eine andere Farbigkeit, darf man an Cy Twombly denken, an Pollock oder an Beuys’ Installation des «Palazzo Reale» in der nahegelegenen Kunstsammlung NRW.
Jürgen Gosch lässt sich für «Was ihr wollt» alle Zeit der Welt. Schlendert durch das Stück, rastet, schaut sich aufmerksam um. Absichtslos. Ziellos. Aber enorm sicher im Führen, im Halten, im Lassen. Und mit Goetheschem Blick für die Phänomene, nachspürend der Natur des Menschen, seinem kuriosen Wesen, seinen Eskapaden, Katastrophen, vergeblichen Anstrengungen. Sehr unaufwändig kommen einfache Mittel ins Spiel, nach der Ursuppe aus Blut ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
David Hohl ist einer von den Guten – jedenfalls hat er das immer geglaubt. Einer von den besonders Guten sogar, die ihr Leben aus Überzeugung in den Dienst einer gerechten Sache stellen, geht er doch 1990, gerade mal Mitte 20, als Angestellter der Schweizer Direktion für Entwicklungszusammenarbeit und Humanitäre Hilfe DEH nach Ruanda. Ein bisschen Abenteuerlust mag...
Vier Schauspieler auf dem Besetzungszettel für mindestens fünf verschiedene Versionen eines gewissen «Abulkasem» deuten schon an, dass in Jonas Hassen Khemiris erstem Stück nicht einfach einer nur ein anderer sein kann. Tatsächlich ist jeder mindestens vier oder fünf andere, was im Theater nichts weiter Besonderes ist. Dass der schlaksige Dreißigjährige, der gerade...
Im letzten Bild von «Onkel Wanja», Jürgen Goschs Tschechow-Inszenierung am Deutschen Theater, sitzt Ulrich Matthes’ ausgemergelter Wanja zerstört auf der Lehmbank. Das Licht ist schon ziemlich tief gerutscht im mit Erde bestrichenen Bühnenkasten von Johannes Schütz und wirft lange Schatten, als ginge der Sonne nach einem anstrengenden Tag die Puste aus. Gerade ist...
