Interesse an der Wirklichkeit
Krzyzstof Kieslowskis filmischer Zyklus «Dekalog» war der Versuch, die Zehn Gebote mit der polnischen Alltagswelt der späten achtziger Jahre in Verbindung zu bringen.
Wie sind die in Steintafeln gehauenen Moralgesetze, die der Bibel zufolge Moses einst auf dem Berg Sinai von Gott erhielt, in einer bröckelnd sozialistischen und doch zutiefst katholisch geprägten Gesellschaft noch zu verstehen? Ohne sich je über seine Figuren zu erheben, schlägt Kieslowski immer wieder überraschende Haken zwischen impliziter Kritik an den göttlichen Gesetzen (oder, wahrscheinlicher: Demonstration ihrer Über-Menschlichkeit) – etwa, wenn das Einhalten eines Gebotes zum Verstoß gegen ein anderes führt –, aber auch an der völligen Abwesenheit metaphysischer Konzepte, wie etwa seine Erzählung zum ersten Gebot zeigt, in der die naturwissenschaftliche Logik zum Gradmesser einer tödlichen Entscheidung für den eigenen Sohn wird.
Nuran David Calis, der sich schon in mehreren Theaterprojekten mit Glaubensfragen monotheistischer Religionen auseinandergesetzt hat, rückt pünktlich zur «Woche der Brüderlichkeit» am Staatsschauspiel Dresden die Tische zusammen. Allerdings tut er dies weniger, um verschiedene ...
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Theater heute Mai 2018
Rubrik: Aufführungen, Seite 34
von Eva Behrendt
Am Ende hat Regisseurin Katie Mitchell doch noch einen Krimi draus gemacht. Denn lange durfte man sich fragen, was es eigentlich mit der mitternächtlichen Party auf sich hat, zu der Julia, die Kunstgeschichtsdozentin, und ihr als Musikproduzent aktiver Gatte Paul Julias neue Uniassistentin Josefine und deren Freund Tilman, einen erfolgreichen Möbelbauer,...
Alkmene schreit. Sie kreischt, sie bäumt und biegt sich. Sie taumelt ein paar Schritte, von einer Seite zur anderen. Sie ist schier besinnungslos vor Verzweiflung, steht ihr Gatte Amphitryon doch gleich zwei Mal vor ihr – ohne dass sie wüsste, welcher der beiden Männer im grauen Anzug der Wahre, der Richtige ist. Und als sie es zu wissen glaubt und dem anderen ihre...
Hinter Stäben bald keine Welt mehr. Eine Lichtorgel- und Lichtstab-Installation kreist auf Volker Hintermeiers Drehbühne, in deren Mitte mächtig drohend ein angefressener, verkohlter Erdball den Verfall ankündigt. Es rumort und grollt von der Tonspur, als würden in weiter Ferne Züge rangiert.
Lars von Triers zweistündige Missa Solemnis vom Weltuntergang (2011)...
