Innen und außen

2005 reiste der Dramatiker Claudius Lünstedt aus Neugier in den Iran. Er verliebte sich dort nicht nur, sondern recherchierte zwei Jahre später auch für einen Theatertext, der sich heute wie eine Vorahnung der Proteste im Juni liest: «Teheran 1386».

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TH Claudius Lünstedt, wie kommt man als deutscher Theaterautor nach Teheran?

Lünstedt Meine erste Reise dorthin habe ich 2005, vor ziemlich genau vier Jahren, aus reiner Neugier unternommen. Mich hat interessiert, ob das einseitige und schreckliche Bild, das die meisten Medien vom Iran zeichneten, der Realität entsprach. Ich hatte damals gerade im Rahmen eines kleinen Jobs bei einem Münchener Tanzfest die iranische Truppe von Helena Waldmanns Inszenierung «Letters from Tentland» (vgl. TH 3/05) am Flughafen abgeholt und mit verschleierten Frauen gerechnet.

Dann stand ich Iranerinnen gegenüber, die mir und unserer Gesellschaft in ihren Bewegungen, Gesten, Ausdrucksweisen alles andere als fremd waren. Außerdem hat mich ein enger Freund, der für die Berlinale arbeitet, mit seiner Vorliebe für iranische Filme angesteckt. Und nachdem wir schon einmal zusammen in Nordkorea waren, sind wir gemeinsam nach Iran gereist.

 

TH Und was haben Sie auf diesem Abschnitt der damaligen «Achse des Bösen» entdeckt?

Lünstedt Wir waren überwältigt. Man bleibt in diesem Land von Anfang an auf angenehme Weise nicht alleine, wird angesprochen, aber nicht penetrant. Die Leute sind unglaublich wissbegierig ...

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