Neugier und Verzweiflung
Die Schnellsprechhysterie hat etwas nachgelassen und auch der Punch beim Austeilen theoretischer Tiefschläge wirkt ein wenig gebremst. Bei seinem jüngsten Zwischenstopp an den Münchner Kammerspielen zeigt René Pollesch, der seit fast 15 Jahren Schauspieler und Zuschauer mit seinen diskursgesättigten Denkströmen in Atem hält, keinerlei Ermüdungs–erscheinungen, aber doch so etwas wie ein retardierendes Moment.
«Eure ganz großen Themen sind weg!» heißt diesmal die Titelschlagzeile, dennoch geht es um Liebe und Tod beziehungsweise um die heikle Frage, wie sich Intensität und Länge des Lebens in einer auf Genussoptimierung eingeschworenen Gesellschaft unter einen Hut bringen lassen.
Dazu hat sich das Pollesch-Pack diesmal ganz buchstäblich im Hohlraum des eigenen Bewusstseins eingenistet und campiert in einem riesigen hölzernen Totenkopf, den Bert Neumann vor einem Fotorundhorizont mit Trailerpark in ausgesucht öder Vorstadttristesse aufgebaut hat und der mittels einer Kurbelvorrichtung dem Publikum die rotschillernde Zunge herausstrecken kann. In den Augenhöhlen funkeln verheißungsvoll aufgereihte Rummelplatzglühbirnchen, oder jemand lässt vorübergehend einfach mal den Vorhang ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Juni 2012
Rubrik: Chronik, Seite 59
von Silvia Stammen
Mit einem bunten Strauß an schlechten Nachrichten eröffnet Joachim Lux das Körber Studio Junge Regie. Der Theaternachwuchs nimmt ihn im Foyer des Thalia in der Gaußstraße angemessen ungemütlich im Stehen entgegen: Die Kultur werde «sturmreif geschossen», diagnostiziert Lux mit Blick auf die niederländischen Sparexzesse und das gerade druckfrische Pamphlet...
Am 12. Juni wird in Köln der 61. Preisträger des renommiertesten deutschen Hörspielpreises ausgezeichnet. Damit es bis zum Schluss spannend bleibt, gibt es erstmals eine Endrunde mit drei Nominierungen aus einem beachtlich starken Jahrgang von 22 Stücken im Wettbewerb. Darunter Alexander Kluges Katastrophen-Großessay «Die Pranke der Natur» (Bayerischer Rundfunk),...
Als im Sommer 2009 das Foto eines erstaunlich gut erhaltenen Bugatti Brescia Typ 22 Roadster, Baujahr 1925, um die Welt ging, setzte das die Fantasie in Gang. Dass da eines der schönsten Automobile, die jemals gebaut worden waren, über siebzig Jahre lang auf dem Grund des Lago Maggiore gelegen hatte, konserviert von den Schichten aus Schlamm und Schlick wie die...
