Die Pointe stirbt zuletzt
Die Russen sind endgültig im Westen angekommen. Moskau ist kapitalistischer, dynamischer und luxuriöser als jede deutsche Stadt. Auch die Provinz ändert sich, langsamer zwar, aber unaufhaltsam. Der vom Westen eingeklagte Mangel an Demokratie ist nicht das, was die meisten Russen bewegt. Längst ist auch der Normalbürger an das globale Geflecht der Waren- und Informationsströme angeschlossen.
Konsequenterweise geht es auch in den Texten russischer Autoren nicht mehr so sehr um die kuriosen und katastrophalen Verwerfungen der post-sowjetischen Ära, sondern zunehmend um die Krisen innerhalb der bürgerlichen Lebenswelt. Dennoch erwarten wir von einem russischen Gegenwartsstück dieses Besondere und Extreme, das wir in unserer eigenen Erfahrung und auch bei den neuen deutschen Dramatikern oft vermissen.
Mit ihrem neuen Stück «Vor der Sintflut» haben die Brüder Presnjakow nun alles Originär-Russische abgelegt und somit die reale Entwicklung sowohl nachvollzogen als auch vorweggenommen. Ihr Stück spielt in einem imaginären europäischen Staat, der Euro ist die Währung, die Charaktere stammen aus der bürgerlichen Mittelschicht, von Osteuropa spricht man wie von einem armen Nachbarn oder ...
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Theater heute Jahrbuch 2007
Rubrik: Neue Stücke der neuen Spielzeit, Seite 169
von Jörg Bochow
Was war eigentlich die letzte Komödie in deutscher Sprache, waren das Schwabs «Präsidentinnen» oder war das Taboris «Mein Kampf»? Und warum noch mal sind Komödien im E-Theater nicht gerne gesehen?
Auch Martin Heckmanns neues Stück «Ein Teil der Gans» – im Oktober wird es in den Kammerspielen des Deutschen Theaters Berlin uraufgeführt – ist keine Komödie. Aber es...
Die Steuerquellen sprudeln wieder, und der Finanzminister ist kein armer Mann mehr. Damit sind die Voraussetzungen geschaffen, im Kulturbereich wieder umzusteuern. Nach über zehn Jahren des Sparens, Konsolidierens, Deckelns und Effizienzsteigerns besteht an den Öffentlichen Bühnen mehr als Nachholbedarf.
Eine Reportage von Franz Wille über das Quotendenken an den...
Ich träumte, dass mir ein Mann mit einer Brille erschien und zu mir sagte: ‹Nicht im Möglichen schweben, sondern das Wirkliche tapfer ergreifen! In der Tat liegt die Freiheit.›» Aus dieser geträumten Forderung entfaltet Justine del Corte in ihrem «Alptraum vom Glück» ein Panoptikum von Geschichten und Geschichtensplittern, die sich ineinander verweben und sich ab...
