Anfall von Sterblichkeit

Lukas Hammerstein «Damals wurde es irgendwie heller» (U)

Theater heute - Logo

Früher war mehr Lametta und sowieso alles besser. Auf solch seelenstreichelndes Geseufze mag sich zurückziehen, wer in der Gegenwart keinen Halt mehr findet und mit der Zukunft schon abgerechnet hat. Doch die Zeit bleibt nicht stehen – und auf einmal sind uns die in die Jahre gekommenen Rückwärtsgewandten verwandter, als wir wahrhaben wollen: Sie faseln längst nicht mehr von Stalingrad und Fritz Wunderlich, sondern kriegen feuchte Augen, wenn sie an «68» und Pink Floyd denken, an Stamokap und Patti Smith, an Idealismus und den abgewetzten Parka mit den aufgenähten Gesinnungs-Symbolen.

Und dann kann es passieren, dass ihnen der Boden unter den Füßen schwankt und der Blick verschwommen wird: «Früher wurde es irgendwie heller.» Der Autor Lukas Hammerstein (Jahrgang 1958) ist durchaus selber so ein Held der inneren Verunsicherung, und wenn er sich schrei­bend seiner Generation nähert, dann tut er das ausgewogen mit einem zynischen und einem trüben Auge: Sein aktuelles Stück – eine Auftragsarbeit des Nürnberger Staatstheaters – begleitet in zwölf Szenen, die so eindeutige Titel haben wie «Ich bin da» oder «Ich will alles» oder «Die Halbwertzeit unserer Träume», zwei alte Kämpen, aus ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Februar 2012
Rubrik: Staatstheater Nürnberg, Seite 53
von Bernd Noack

Weitere Beiträge
Eva Behrendt: Kriegsgewinnler mit Mission

Die Hölle sieht ganz beschaulich aus. Zumindest mit Coffeeshops und italienischen Restaurants, Bücherstuben und Szenefriseuren, Bioläden und Kinderboutiquen ist sie reich gesegnet. Der schwunghafte Einzelhandel in der Berliner Hufelandstraße wird frequentiert von Leuten vielleicht wie Du, in jedem Fall aber wie ich: zugezogen aus dem so genannten Westdeutschland,...

Auf der Suche nach der Angst

1989 war für Václav Havel ein bewegtes Jahr. Noch im Januar wurde er verhaftet, als er an einer Gedenkveranstaltung zum 20. Todestag von Jan Palach teilnehmen wollte. Man verurteilte ihn wegen «Rowdytums» zu neun Monaten Haft, ließ ihn allerdings schon im März auf Bewährung frei. Im Oktober dann erhielt er keine Ausreisegenehmigung, als er in Frankfurt den...

Der Bundespräsident – neue Talente für ein hohes Amt

ULRICH KHUON
versteht sein Publikum und bietet für jeden solide Qualität. Mit seiner vertrauenswürdigen, bedenkensstarken Art könnte er das Präsidentenamt wieder in der Mitte der Gesellschaft verankern. Seine ruhige, ausgewogene Rhetorik ist prädestiniert für Weihnachtsansprachen

ANGELA WINKLER
spielt immer mit innigster Glaubwürdigkeit und hat sich auch in...