Der Mann mit der Geige

Zum Tod des Schauspielers Urs Hefti

Theater heute - Logo

Es gibt Momente des Theaters, die man nicht vergisst. 8. November 1981 um 0.37 Uhr: Die Zuschauer der Premiere von «Unsere Welt» – ein langer Abend mit verschiedenen Gegenwartsautoren – erleben auf dem Theatervorplatz des Bochumer Schauspielhauses den Abschluss der Vorstellung unter freiem Himmel, von dem leichter Niesel­regen herabfällt. Ein Doppelstockbus der Bochumer Verkehrs­betriebe hält kurz, und ein Mann im Trenchcoat mit einem Geigenkasten unterm Arm steigt aus. Er nähert sich einem Podest, auf dem ein Mann im Frack eine Schubert-Sonate spielt.

Eine kleine Zeit steht er andächtig, dann packt er seine Geige aus, tritt zu dem Mann am Flügel und spielt ihm zu. Der Mann am Flügel ist Gottfried Lackmann, der neu Hinzugekommene ist Urs Hefti. Aus dieser Grundsituation entwickelt sich die Uraufführung von Heiner Müllers Kurzdrama «Herzstück». Später werden es die beiden noch oft spielen, und nun, da sie wieder vereint sind, können sie dies – ihr vertrautes Spiel –, wenn es denn einen Theaterhimmel gibt, wieder in ihr Repertoire aufnehmen. 

Urs und die Geige, das war ja immer wieder ein Thema. Als ich 1989 «Lieber Niembsch» fürs Akademietheater vorbereitete, war es mein Wunsch, dass ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute März 2008
Rubrik: Magazin, Seite 63
von Manfred Karge

Vergriffen
Weitere Beiträge
«Das Theatertreffen gehört niemand allein»

Franz Wille Zahlen zuerst. Die Qualität einer Theatertreffen-Jury wird ja von manchen Leuten daran gemessen, wie viele Inszenierungen sie gesehen hat. Wie viele Abende haben Sie denn im letzten Jahr im Theater verbracht? 

Jürgen Berger Ich bin auf nahezu 120 Abende gekommen. Da es bei mir nicht genau zwölf Monate waren, sondern nur zehn, hat es Wochen gegeben, in...

Gegenangebote

Mit dem klassischen Repräsentationstheater haben sie es nicht so. Die Einheit von Schauspieler und Rolle ist ihre Sache nicht. Aber die Gegenangebote, die Rimini Protokoll und Laurent Chétouane dem Theater unterbreiten, könnten kaum unterschiedlicher ausfallen. Wo Rimini den Bühnenprofi zugunsten der «Experten des Alltags» verabschieden, wo sie den versierten...

Lose-Mundwerk-Sammlung

Wind macht diese Inszenierung nur einmal, gleich zu Anfang, wenn die vierte Wand aufklappt, zu Boden kracht, den Blick in eine knallgelbe Box öffnet und eine Luftdruckwelle über die Köpfe des Publikums fegt. Was folgt, ist ein Sturm, ach was, ein Tornado aus Worten. Wirbelt eine Stunde, dreht sich um drei Frauen, Barbara, Silvia, Anika, drei Damen vom Jugendamt,...