Engel in Polen

Das «Dialog»-Festival in Breslau zeigt bemerkenswertes Regietheater – und eine umwerfende Tony-Kushner-Inszenierung von Krzysztof Warlikowski

Theater heute - Logo

Als der polnische TV-Serienstar Jacek Poniedzialek sich in der wichtigsten Talkshow des polnischen Fernsehens als schwul outete, hielt die Fernsehnation für eine kleine Schrecksekunde den Atem an. Schließlich ist Homosexualität in Polen (noch) eine öffentlich geächtete, rechtliche Angelegenheit. Und dann geschah: nichts. Mit Ausnahme vielleicht des jähen Endes einiger Kioskbesitzerinnenträume.

Zu diesem Zeitpunkt hatte Poniedzialek den Kushner-Text bereits in eine polnische Bühnenfassung übertragen, die leicht und stimmig mit der Schauspielregie Warlikows­kis zusammengeht: Ganz nah an den Figuren wie den Menschen.

Tony Kushners Sodom, das Amerika der restaurativen Reagan-Ära zu Zeiten der ersten AIDS-Schockwelle, ist seinerseits ganz nah an einem Polen im Geiste von «Recht und Gerechtigkeit», der Partei der vor kurzem abgewählten Kaczynski-Zwillinge. Zumindest hat der christliche Fundamentalismus in beiden Settings wenig mit den Bedürfnissen der Menschen zu tun, sagt Krzysztof Warlikowski, der «Angels in Ame­rica» Anfang des Jahres als polnische Erstauf­führung ins Teatr Rozmaitosci in Warschau importierte: «Er ist einfach ein sehr profitabler Wahlslogan.» 
 

Schwule Teletubbies

Blic ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Dezember 2007
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Anja Quickert

Vergriffen
Weitere Beiträge
Unser aller Wolfen

MAN KANN EINEM MENSCHEN NICHT VON MORGENS BIS ABENDS SAGEN WIE ENTTÄUSCHT MAN VON IHM IST DAS HÄLT KEINER AUS.» Das gilt für Menschen wie für ganze Landstriche, den östlichen Teil Deutschlands zumal. Wo dauernd von Scheitern die Rede ist, wird das Ringen um Würde und Selbstbehauptung zur Existenzfrage. Fritz Kater, seit geraumer Zeit der erste Chronist des...

Notizen

Wer schreibt am schönsten?

Zwei der wichtigsten Dramatikertalenthebebühnen suchen wieder nach neuen Autoren und Manuskripten: Der Stückemarkt des Berliner Theatertreffens erwartet gehaltvolle neue, jedenfalls nicht aufgeführte Dramen aus ganz Europa, die vom 2. bis 18. Mai in szenischen Lesungen präsentiert werden oder in einem Dramatikerworkshop mit John von...

«Ich habe eher Angst vor lustigen Stoffen»

Barbara Burckhardt Matthias Matschke, als Sie vor über zehn Jahren nach einer Schauspielausbildung an der Berliner Hochschule der Künste unter anderem bei Castorf und Marthaler starteten, wurde Ihnen und Ihrem «Wahnwitz» eine große Theaterkarriere prophezeit. In den letzten Jahren konnte man Sie aber eher in Sat 1 als auf der Bühne sehen, bei Anke Engelkes...