Die Freude an der Überforderung
Nichts Privates auf der Bühne», kreischt Rabbit. «Wir sind hier, um zu unterhalten. Kunst kann eine Menge von Bono lernen!» «Wer ist Bono?», antwortet der Wolkenhirte: «Ein Künstler? Auch eine Skulptur? Oder ein Museum – MOMA, MOCA, BONA, BONO?» «You have nothing understand. Idioten», kauderwelscht Ohne Titel (Granit) im Seufzerton. Da wendet sich Four Cubes ab und Elegy III zu: «Ich mag Rabbit nicht.» Daraufhin Elegy III: «Du meinst den Bunny?»
So geht das die ganze Zeit.
Obwohl dieses Drama ohne Bühnenbild auskommt, zeigt es ein Labyrinth der Missverständnisse. Jeff Koons stahlpoliertes Luftballon-Karnickel produziert New Yorker Event-Hysterie, Sol LeWitts vier weiße Würfel rezitieren unablässig aus des Meisters 35 «Sentences on Conceptual Art» von 1969, Ulrich Rückriems Granit-Stele zeigt deutsche Intellektuellen-Arroganz in ganz miesem Englisch, Hans Arps wolkiger Handschmeichler mit Penisausstülpung in Kupfer erklärt seine Naivität zur weltkriegsgeschulten Skepsis gegen Logik und baggert mit abstrakten Gedichten die einzige weibliche Skulptur dieses Schauspiels, Barbara Hepworths «Elegy III» an, die sich unter den Angebern vorkommt wie beim Pimmel-Contest unter der ...
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Theater heute August/September 2007
Rubrik: Kunst, Bühne & Videotapes, Seite 12
von Till Briegleb
Schwer zu sagen, was einem hier gezeigt wird: Ist es die Dramatisierung der Tagebücher und Briefe zweier Menschen? Und wo fangen der «Mann» und die «Frau» überhaupt an, wenn Herbert Achternbusch und seine langjährige Lebensgefährtin und Lieblingsschauspielerin, die im Jahre 2005 gestorbene Annamirl Bierbichler, doch so offensichtlich hinter diesen Figuren...
Wenn es um die Schnittstelle von Bildender Kunst und Theater geht, gehört der 1960 geborene Filmemacher und Regisseur Christoph Schlingensief zu den Grenzgängern par excellence. In den 90er Jahren mischte er mit talkshowartigen Abenden («100 Jahre CDU», «Schlacht um Europa»), politischer Aktionskunst («Bahnhofsmission Schlingensief», «Chance 2000», «Ausländer...
Eine Beschreibung François Ozons beginnt man am Besten mit einem Paradox: Er ist einer der erfolgreichsten französischen Regisseure der letzten zehn Jahre, aber er ist nicht sehr beliebt. Wo sonst Popularität bei einem gewissen Grad von Erfolg sich wie von selbst einstellt, klafft bei Ozon eine Lücke. Der 39-jährige gebürtige Pariser verfügt über keine...
