Keine Angst vor niemand
Mangelnden Mut kann man Sebastian Hartmann nach diesem Abend weiß Gott nicht vorwerfen. Er wagt sich wieder nach Frankfurt, wo er der Regisseur jenes «Massakerspiels» war, bei dem die hohe Spiralen schlagende Affäre mit dem Block begann. Es war und blieb lange seine einzige Frankfurter Inszenierung. Jetzt hat ihn Oliver Reese eingeladen, hier «Die Dämonen» als zweiten Teil einer Dostojewski-Trilogie zu inszenieren. Tausend Seiten Dostojewski! Mut verlangt das allerdings weniger wegen der Länge als wegen Castorf.
Mit den «Dämonen» begann Frank Castorf einst die Reihe seiner legendären Dostojewski-Inszenierungen. Und es gibt wohl keinen Regisseur, der so reflexhaft als Castorf-Epigone bezeichnet wird wie Sebastian Hartmann. Da braucht man schon Chuzpe und eine gewisse innere Freiheit, um sich auf der Bühne noch mal an diesen Roman zu machen.
Vollkommen offen
Auch Angst vor dem unmittelbaren Feind ist in Frankfurts Schauspiel nicht festzustellen. Die Spieler kommunizieren munter und freundlich mit den Schauern, sie reden vertraulich mit dem Publikum in den ersten Reihen und scheinen überhaupt sehr glücklich über alle Anwesenden. Die Frankfurter Schauspielbühne, deren beeindruckende ...
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Theater heute März 2015
Rubrik: Aufführungen, Seite 12
von Peter Michalzik
Entweder lebst du hier und hast dich nun eingewöhnt oder du gehst fort von hier und hast es so gewollt oder du stirbst und hast es geschafft. Darüber hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts.»
Das wäre doch mal ein Spielzeitmotto: Dar-über hinaus gibt es nichts. Sei also heiteren Gemüts! Der 2000 Jahre alte Aphorismus des stoischen römischen...
Da schlagen die Herzen der HausmusikfreundInnen aber höher: Klavier um Heimorgel, Harmonium um Cembalo hat Bühnenbildner Stephan Weber an die gekachelten Bühnenwände der Studiobühne des Basler Theaters gerückt, bis übers Portal hinaus drängen sie sich in den Zuschauerraum, bis kein Notenblatt mehr dazwischen passt. Schwarzgekleidete Schauspieler schlagen...
Hinter dem Vorhang wird Schubert gespielt. Einzelne beherzte Klavierakkorde, ein wenig schief, eine Dekonstruktion des Wanderermotivs. Denkt man. Bis man sieht: Das Klavier steht auf Zweimeterbeinen, und fünf Schauspielerinnen mühen sich zehnhändig, irgendwie Töne auf dem Monstrum zu erzeugen. Die vermutete Dekonstruktion ist in Wahrheit die körperliche Begrenzung...
