Dokumentation: Kindliche Freude
Es fühlt sich fast wie ein Wiedersehen an: Über weite Strecken der hundertminütigen Dokumentation «Das Knistern der Zeit» ist Christoph Schlingensief im Bild – dünn, ergraut und von der Krankheit bereits gezeichnet, aber sprudelnd vor Mitteilsamkeit und Tatendrang.
Sibylle Dahrendorf hat den Künstler und Regisseur zu seinem Vermächtnis, dem «Operndorf»-Projekt nach Burkina Faso, begleitet, ist ihm auf der Suche nach dem geeigneten Ort auf Brachen und in die Savanne gefolgt, beobachtet ihn im Gespräch mit Mitarbeitern, auf der Baustelle und bei den Proben zu «Via Intolleranza II» und schaut ihm immer wieder beim Filmen mit der Digitalkamera oder dem Handy zu.
Schlingensiefs Afrika-Begeisterung, das zeigt Dahrendorfs Dokumentation teilweise wohl auch unfreiwillig, war eine durchaus ambivalente Angelegenheit. In seiner Rede zur Grundsteinlegung etwa malt Schlingensief sich aus, wie man dort künftig vielleicht eine Opernsängerin erwarten, tatsächlich aber den Schrei eines Neugeborenen auf der miteingeplanten Krankenstation zu hören bekommen werde. Das ist natürlich reinster Afrika-Kitsch – der schwarze Kontinent als Gegenentwurf zum Westen, als das Ursprüngliche, durch keine Bildung ...
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Theater heute Juli 2012
Rubrik: Magazin, Seite 61
von Eva Behrendt
Lobet die Putzfrau!», predigt der Sandmann den Kindern. Aus dem Mikrowellenchaos auf der Bühne zaubert er frisches Popcorn und wirft es ins Publikum wie Konfetti. Dann grinst er in den aufgeweckten Saal: «Das hat man uns verboten.» Dort hat der Lehrkörper längst vor der Anarchie auf der Bühne und in den eigenen Reihen kapituliert: Besonders engagierte Kids setzen...
Würde sie das Land der Griechen mit der Seele finden, träfe sie dort kaum jemand, den sie kennt. Ihr aus Troja heimgekehrter Vater wurde von der Mutter ins Jenseits befördert, die Mutter dann von Bruder Orest. Von all dem weiß Iphigenie noch nichts, es könnte aber sein, dass sie eine besondere Beziehung zum Wind hat. Er fehlte den Griechen, als sie gen Troja segeln...
Wie schön wäre es, mit eigenen Anekdoten aufwarten zu können, mit Initiations–erlebnissen aus dem Kinder- und Jugendtheater der 1980er Jahre. Aber leider sind meine Erinnerungen an dieses Theater meiner frühen und mittleren Kindheit nahezu vollständig verblasst. Nicht einmal von zähen Schulpflichtbesuchen kann ich berichten, nicht von «pädagogisch wertvoller» oder...
