Sprechen ist Silber

Johan Simons arrangiert Elfriede Jelineks NSU-Prozess-Oratorium «Das schweigende Mädchen» an den Münchner Kammerspielen zur konzertanten Untoten­beschwörung

Theater heute - Logo

Der Ansturm hat nachgelassen. Zwar gibt es noch Sperrgitter vor dem Ober­landesgericht München in der Nymphenburger Straße, aber im Saal 101 bleiben inzwischen häufig Plätze frei. Seit Mai 2013 wird dort Beate Zschäpe, Überlebende der rechtsradikalen Zwickauer Terrorzelle, bekannt auch als Nationalsozialistischer Untergrund (NSU), der Prozess gemacht.

Vorgeworfen wird ihr die Mittäterschaft bei zehn kalt­blütigen rassistischen Morden an zugewan­derten Mitbürgern, die von ihren beiden toten Komplizen Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt in einem Zeitraum von zwölf Jahren quer durch Deutschland verübt wurden. Ein Ende des Verfahrens ist nicht in Sicht. Die Zeugen­befra­gun­gen verlaufen schleppend, die meisten wollen sich an nichts erinnern. Und während die Hauptangeklagte eisern schweigt, ringt der Rechtsstaat nach schweren Ermittlungsfehlern und zweifelhaftem Einsatz des Verfassungs­schutzes um die Rehabilitation seiner Glaubwürdigkeit.

Und seit Kurzem gibt es einen weiteren Schauplatz, der zur gedanklichen Durchdringung beitragen könnte: Nur wenige Kilometer entfernt im Schauspielhaus der Münchner Kam­merspiele hat Johan Simons Elfriede Jelineks neuestes Stück, 224 Seiten Manuskript mit ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2014
Rubrik: Aufführungen, Seite 11
von Silvia Stammen

Weitere Beiträge
Seine offenen Augen

Die letzte Rolle, die Guntram spielte, war Faust. In einer kurzen Paraphrase des zweiten Teils, die Patrick Steinwidder für das Nachwuchsfestival «MarstallPlan» am Ende der letzten Spielzeit unter dem Titel «Final Faust II Fantasy» entwickelte, wurde dieser Faust von einer Schwester, die verdächtig viele Mephisto-Texte sprach, in einem Krankenzimmer beim Sterben...

Ahoi, Sechs-Sparten-Haus!

Mit einer Blutgrätsche wurde die Saison am Volkstheater Rostock (VT) eröffnet. Anders kann man es nicht formulieren in einer Stadt, in der der örtliche Fußballverein Hansa, inzwischen in der dritten Liga beheimatet, noch immer die städtische Identität prägt. Da wurde nach fünf Jahren Interimsintendanz endlich wieder ein Theatermacher per öffentliche Ausschreibung...

Warhol-County

Liebe ist nicht sinnlich, sondern fantastisch. Nicht wahrgenommene Reize steuern uns, sondern unsere Einbildungskraft lenkt unsere Libido mal da-, mal dorthin. Dieses Wechsel- und Verwirrspiel verwandelt und löst alle Bindungen. Doch aus dem unsteten Schweifen der Fantasie, aus den Brauseköpfen der Verliebten und Dichter, entsteht etwas Festes, Wirkliches....