Festival
Das Erste, was wir von diesem Festival sehen, ist ein Penis. Der gehört zu einem Darsteller hinter einer Papp-Wand, von dem nur der Schwanz in einer runden Aussparung zu erkennen ist. Ein Spot beleuchtet das Geschlecht, das sich zwischendurch aufrichtet und dann wieder erschlafft. An der Bühnenrampe steht zeitgleich ein junger Mann vor einem Mikrofon, mit dem Rücken zum Publikum. Sein Gesicht sehen wir nicht, wenn er die Geschichte eines jungen Spaniers erzählt, der in Madrid ein bürgerliches Leben mit seiner Freundin führt.
Der eigentlich alles hat, oft genug guten Sex, einen Job und Perspektive – und doch davon träumt, sich einmal von mehreren Personen «so richtig durchficken zu lassen».
Der Ausbruchstraum ist nur eine der Geschichten, mit denen Pablo Gisberts «Szenen für ein Gespräch nach dem Anschauen eines Films von Michael Haneke» die Verunsicherung der jungen Generation in Europa beschreiben will. Ausbruchsfantasien hinter der Fassade eines gut durchgeplanten Lebens sind das. Der junge Mann reist in der Erzählung hinter dem Rücken seiner Freundin heimlich nach Berlin. Und nimmt in den «intensivsten Stunden seines Lebens» an einer Orgie teil. Der echte Penis wippt im ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Theater-heute-Artikel online lesen
- Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Theater heute Januar 2016
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Alexander Kohlmann
Wer als Kind mal ein Filmstudio besichtigt hat, erinnert sich an das große Staunen vor dem ersten Blue- oder Greenscreen: Der Wettermann, wahlweise King Kong, steht nicht etwa vor der Wetterkarte oder in New York, sondern schlicht vor einer monochromen Wand – der Rest ist Technik. Der Regisseur Amir Reza Koohestani holt diesen nicht ganz taufrischen Wow-Effekt nun...
«Bondy hat sich etwas Jungenhaftes bewahrt.
Er ist wie ein ewiger Student.
Und er nimmt sich selbst nicht ernst.»
Michel Piccoli
Im luxuriösen, zugleich etwas hermetischen bundesrepublikanischen Theaterbetrieb der Achtziger gab es unter Eingeweihten und solchen, die dazugehören wollten, die Attitüde, sehr gängige Vornamen mit dem bestimmten Artikel zu versehen: der...
Über zu wenig Publikum konnte sich der Grazer Puppenspieler Nikolaus Habjan schon als Kind nicht beschweren. Wenn seine Eltern Besuch bekamen, mussten die Gäste im Laufe des Abends auch ins Kinderzimmer schauen. Dort wartete der kleine Nikolaus schon mit einem perfekten Bühnenbild. «Der Luftbefeuchter war die Nebelmaschine, die Schreibtischlampe die Beleuchtung»,...
