Im Bundesadlerhorst
Kroetz-Uraufführung die zweite: nach der Münchner Premiere von «Tänzerinnen + Drücker» noch ein neues, viel mehr noch nicht aufgeführtes Stück. Weil, wie es heißt, der Autor die a.tonal.theater-Inszenierung von «Die Eingeborene» als ganz wörtlich genommenes Riesen-Kasperltheater zu schätzen wusste, sicher auch, weil keine prominenteren Interessenten Schlange standen (immerhin liegt das Stück seit vier Jahren unaufgeführt in deutschen Dramaturgien), erblicken «Die Trauerwütigen» jetzt in der Kölner und Bonner Freien Szene das Bühnenlicht.
Kroetz hat in seinem Text Groß- und Kleinschreibung abgeschafft, kennt kein Personenregister, führt Holocaust-Gedenken, Welthunger und BSE zusammen, schlägt den Bogen zwischen Homöopathie, Engeln, «weltmarktmordwirtschaft» und erreicht trotz aller Wut und Fassungslosigkeit nie die Schmerzgrenze beispielsweise einer Jelinek-Vorlage. Nichtsdestotrotz hat das a.tonal.theater in diesem Stück den zweiten Teil seiner «Deutschlandtrilogie» gefunden (der erste war eine gelungene Choreografie von Marc Beckers «Wir im Finale», ein beinahe prophetischer Kommentar zum deutschen WM-Sommer 2006), den Text stark gekürzt, die Engel rausgeschmissen und einen ...
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Was man schon immer vermutet hat: Fade ist’s im Paradies, auch im künstlichen und gerade da. Mit Musical-Mitteln versucht das Grips-Theater dagegen anzukämpfen. Volker Ludwig, Direktor und Hauptautor des Theaters seit vier Jahrzehnten, hat Aldous Huxleys Roman «Brave New World» (1932 zuerst erschienen) in knappe Dialoge und effektsicher gereimte Songtexte gefasst;...
Was unterscheidet eine gute von einer schlechten Geschichte? Zum Beispiel, dass die Figuren einem Rätsel aufgeben und Neugierde erwecken, die nicht gleich auf den ersten Blick sattsam gestillt ist. Da kann – um das aktuelle Kino made in Germany zu streifen – ein dicker Koch aus dem Schwarzwald spannender sein als eine in sündigroter Couture aufgetakelte Blondine...
Leise soll das Publikum sein, sich nicht mehr unterhalten, sobald es die große Halle im Zürcher Schiffbau betreten hat. Helfer an der Tür schleusen immer nur zwei oder drei Besucher gleichzeitig durch einen kleinen Zwischenraum ins Theater. Hinter den Pforten liegt, doppelt abgeschirmt, ein fremder, geheimnisvoller Ort, der seine Regeln zunächst nicht preisgibt....
