Ausgewachsen
Wir müssen das alles leider leider leider neu erfinden», beendet Fabian Hinrichs mit achselzuckendem Bedauern seinen Endlosmonolog. In virtuoser Langatmigkeit hatte der Schauspieler die große Schöpfungsgeschichte des zivilisatorischen Fortschritts ausgebreitet. Dabei sind die «100 wichtigsten Erfindungen der Menschheit» zu einer Nummernfolge zusammenhangloser Artefakte geschrumpft und ins Absurde gekippt: Faustkeil, Dampfmaschine, Nanomotor ...
Das Hinrichs-Zitat aus René Polleschs «Der perfekte Tag» überschreibt im Sommerfestival-Programmheft den diesjährigen Themen-Schwerpunkt «Wachstum». Vor 40 Jahren hatte die Studie der Expertenvereinigung Club of Rome dessen Grenzen erstmals prognostisch aufgezeigt und damit die herrschende Produktions- und Lebensweise industrialisierter Gesellschaften infrage gestellt. Trotz weltweiter Debatten, neuer sozialer Bewegungen, Grüner und Postwachstums-Ökonomien hat sich seitdem am Umgang mit den begrenzten Natur-Ressourcen der Erde – und den Folgen ihres Verschleißes – wenig geändert. Und trotz weltweiter Finanz- und anhaltender Euro-Krise ist der fundamentale Glauben an die Wachstumsphilosophie – mehr Wachstum, mehr Arbeit, mehr Wohlstand – ...
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Theater heute Oktober 2012
Rubrik: Magazin: Sommerfestival, Seite 59
von Anja Quickert
Aachen, Grenzlandtheater
28. Ibsen-Bille, Ohne Gesicht
R. Jens Pesel
Aalen, Theater der Stadt
6. Süskind, Der Kontrabass
R. Jürgen Bosse
Altenburg/Gera, TPT
12. Horváth, Kasimir und Karoline
R. Bernhard Stengele (in Gera)
18. Reza, Kunst
R. Anne Keßler (in Altenburg)
27. Tabori, Mein Kampf
R. Deborah Epstein (in Gera)
Annaberg, Eduard-von-Winterstein-Theater
14. Schiller, Die...
Die Vergabe des hochkarätigen Ibsen-Preises an Heiner Goebbels ist auch Indiz für die besondere Beziehung des norwegischen Theaters zu deutschen Bühnenexperimenten. Ein neuer Schub der Einflussgeschichte seit etwa 2000 – von Volks- und Schaubühne bis zu Gastregisseuren wie Armin Petras und Sebastian Hartmann – war offenbar so prägend, dass es kaum überrascht, nun...
Der seit 2003 einsitzende ehemalige Oligarch Michail Chodorkowski hat es nie auf den Titel des «Spiegel» geschafft, Nadeschda Tolokonnikowa schon, im August. Unter ihrem Bild im Heft, auf dem sie die Hand zur Faust ballt, steht der schöne Satz: «Revolution kann sexy sein, wenn kirschäugig Solschenizyn im Glaskasten zitiert wird.» Nadjeschda Tolokonnikowa ist laut...
