Debatte: Das schlafende Tier
Zunächst einmal konnte sich der Gesprächsgegenstand ordentlich auf die Schulter klopfen: Kaum ein Zuschauer, der zur Diskussionsveranstaltung «Die Publikumsmaschine» in der Berliner Akademie der Künste am Hanseatenweg erschienen war, dürfte sich je ein derart spektakuläres Bild von sich selbst gemacht haben, wie es – befragt von der Radiomoderatorin Anja Caspary – die eingeladenen Künstler taten. «Das Publikum ist ein Mysterium, ein Ungeheuer», grinste etwa Herbert Fritsch vom Podium.
Und weil es so unkalkulierbar sei, täte man beim Inszenieren eben auch am besten daran, sich vollständig auf die eigene Person zu verlassen: «Gerade, wenn man selbst etwas nicht so richtig gelungen findet, gefällt denen das plötzlich», schwang sich Fritsch in höhere dialektische Gefilde auf und kanzelte bei dieser Gelegenheit en passant die Mär vom «Zielpublikum» ab.
Mit der poesieverdächtigen Wendung vom «schlafenden Tier, das in der Dunkelheit liegt», strich anschließend auch der Musiker und Autor PeterLicht die Raubtier-Qualitäten des Publikums heraus – welches die schillernde Animalismus-These allerdings live direkt widerlegte: Die Tatsache, dass sich «das Publikum» oben, auf dem Podium, ...
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Theater heute Mai 2015
Rubrik: Magazin, Seite 69
von Christine Wahl
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