Fetisch bleibt Fetisch

Satire nach dem Untergang: In Dani Levys «Mein Führer» spielt Helge Schneider Adolf Hitler – und Ulrich Mühe dessen Schauspiellehrer

Theater heute - Logo

Der Jud’ tut gut.» Dieser Satz klingt ein wenig seltsam in Nazideutschland, aber er fällt nun doch in einem Film, der von sich im Untertitel behauptet, «die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler» zu erzählen: «Mein Führer» von Dani Levy ist eine Komödie, unschwer zu erschließen aus der Tatsache, dass es Adolf Hitler selbst ist, der den Satz sagt. «Der Jud’ tut gut.

» Warum tut der Jude dem Führer gut? Weil er im Dezember 1944 nicht mehr führen mag, sondern sich in die prächtigen Räume der Reichskanzlei einschließt, weil er keine Reden mehr halten will, sondern nur noch vor sich hin murmeln. Aus all diesen Gründen haben die Männer um Hitler, allen voran Joseph Goebbels, dem Führer einen Coach besorgt, den jüdischen Schauspieler Adolf Grünbaum (Ulrich Mühe), zuletzt wohnhaft in Sachsenhausen. Grünbaum soll den Führer wieder zum (fanatischen) Sprechen bringen, aber er macht das auf eine so psychoanalytische Weise, dass Hitler sich hoffnungslos in seine Kindheitsmuster zu verstricken beginnt.
 

Zwangsneurotiker mit kleinem Schwanz

Das Dritte Reich endet bei Dani Levy nicht mit Schrecken, es endet als Farce, mit einem leeren Machtzentrum, in dem die Funktionäre bis zuletzt den ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute Januar 2007
Rubrik: Medien/TV, Seite 62
von Bert Rebhandl

Vergriffen
Weitere Beiträge
Traumpapa Lear

Happy Asia» war das diesjährige «Asia Contemporary Theatre Festival» in Schanghai überschrieben. Fragte man Nick Yu, den verschmitzten wie umtriebigen Festivaldirektor nach dem Motto, fiel die Antwort wellnessmäßig schlicht aus. Er fände, die Menschen seien zu gestresst, zu besorgt um ihr wirtschaftliches Fortkommen, ihren beruflichen Erfolg in der neuen Zeit....

Äpfel und Birnen

Man könnte einfach den Artikel wechseln. Dann wäre es nicht mehr «Der Faust», sondern die Faust und würde geballte Kraft und Energie symbolisieren. Vorwärts in eine hoffnungsvolle Zukunft gehen als Veranstalter gemeinsam: der Deutsche Bühnenverein, die Deutsche Akademie der Darstellenden Künste, die Kulturstiftung der Länder und das Land NRW.

Es sei «die uralte Idee...

Der richtige Augenblick, bürgerlich zu werden?

Ja, «warum können wir nicht ein Leben lang Kinder bleiben?» Warum nicht einfach stehenbleiben im Zustand nicht der Unschuld, sondern der Ahnungslosigkeit, die von Vergänglichkeit noch nichts weiß und an die Auflösung in der Liebe als Dauerzustand glauben kann? Und in der süßen Verantwortungslosigkeit fürs eigene Leben? Die Frage stellte Ferdinand Bruckner 1926 in...