Wann, wenn nicht jetzt?
Das Theater kann in der aktuellen Wertedebatte um die Begriffe «Heimat» und «Integration» eine besondere Stellung einnehmen. Es kann Haltung beziehen in seiner programmatischen Themensetzung, aber auch soziale Praktiken in seiner eigenen Arbeitsweise vorstellen.
Schon lange fühlen sich nicht alle Bevölkerungsschichten ins Theater geladen, das ist aber nicht erst seit 2015 ein Problem.
Es ist höchste Zeit für die Theater, sich zu öffnen – nicht nur den Migrant*innen, die neu nach Deutschland gekommen sind, sondern auch anderen Gruppierungen und Stimmen, die bisher wenig Platz eingeräumt bekommen haben im «öffentlichen Raum» Theater. Ich denke da zum Beispiel an ein Langzeitprojekt, das wir am Theater Rampe verwirklicht haben, in dem Süchtige und ehemalige Süchtige nicht nur eine fesselnde Performance auf Basis ihrer Erfahrungen erarbeitet haben. Es war zudem ein Prozess des Empowerments zu beobachten, im Laufe dessen sich diese Menschen einen kulturellen Raum zurückerobert haben, aus dem sie zuvor durch ihre Sucht und die gesellschaftliche Ächtung ausgeschlossen waren.
Wann, wenn nicht jetzt, können die Theater in der aktuellen politischen Situation ihre gesellschaftliche ...
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Theater heute Jahrbuch 2018
Rubrik: Die Heimatfrage (2), Seite 76
von Marie Bues
Anta Helena Reckes «Mittelreich» – die Wiederholung der Inszenierung einer weißen Regisseurin mit einer weißen Besetzung durch eine schwarze Regisseurin mit einer schwarzen Besetzung – berührt mich und meine Theorie als Theaterwissenschaftlerin, meine Praxis als Dramaturgin und meinen Alltag als schwarze deutsche Frau im deutschen Theaterbetrieb auf vielen Ebenen:...
In gesellschaftlichen Diskursen wird derzeit wiederholt die Figur der Flut bemüht, um das Bild des Eindringens «fremder» oder neuer Menschen und Ideen in eine bestehende Ordnung zu zeichnen. Je nach politischer Fasson wird dieses Eindringen als Bedrohung einer heilen Welt oder als Chance einer Erneuerung begriffen. Auch die Frage nach «neuen» Narrativen, Praktiken...
Wer einen Zusammenhang zwischen Rasse, Religion und Identität knüpft, irrt. Jemandem, der das tut, geht es um Macht und nicht um Identität oder Heimat. Wer hat sie?! Wer will sie?! Wer verliert sie?! Wer hat keine?! Wie jüngst die CSU, die das Kreuz als Teil ihrer Identität versteht und dieses anderen verordnet. Jeder, der in Bayern in ein öffentliches Gebäude...
