Ein Dolchstoss ins Herz der Provinz

Dirk Lauckes Versuch, mit den «Ultras» der Hallenser Fußball-Szene Theater zu machen, ist auf wütenden Protest gestoßen

Theater heute - Logo

Sie heißen Robert, Christoph, Matthias, Steffen oder Enrico. Im normalen Leben sitzen sie hinterm Schreibtisch im Amt und bearbeiten Akten oder schrauben in der Werkstatt Autos zusammen. Am Wochenende aber nennen sie sich Börti, Chrille, Matze, Pansen oder Roco.

Dann tragen sie schwarze Klamotten, ziehen gemeinsam im Pulk in Halle zum alten Kurt-Wabbel-Stadion, stellen sich in der Nordkurve auf, dicht am Zaun, breiten Fahnen aus, so groß wie halbe Fußballfelder, schlagen auf Trommeln, zelebrieren ihre Choreo­grafien – und sind (verbal zumindest) schlimmstenfalls auch bereit zu sterben in dieser immer neuen Schlacht. Für den Verein.

 

Sie sagen vor dem Spiel «ihrer» (drittklassigen) Mannschaft HFC: «Deine Liebe wird zur Mis­sion ... Ultra ist mehr als eine Subkultur. Ultra ist die Grundhaltung, die ich im Leben habe. 

 

Alles baut darauf auf.» Und nach dem Match, das sich weniger auf dem Rasen als auf den Rängen zugetragen hat: «Am nächsten Morgen aufgewacht, merkte ich erstmal, was man mir angetan hat. Ich konnte mich vor Schmerzen kaum bewegen. Die Bullen hatten mich richtig zerlegt.» 

 

Das Leben eines «Ultras», also eines fanatischen Fußballfans, gleicht einer La-Ola-Welle: Es ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Theater heute? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Theater-heute-Artikel online lesen
  • Zugang zur Theater-heute-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Theater heute

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Theater heute November 2009
Rubrik: Magazin, Seite 58
von Bernd Noack

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gier ist Geil

Wer noch einmal eine bizarre Industriebrache in den Dimensionen des Ruhrgebiets oder Mittelenglands erleben möchte, der sollte sich ins zentralpolnische Lodz begeben. Über hundert Jahre qualmten hier die Schlote über gigantischen Textilfabriken, bis mit dem Zusam­menbruch des Ostblockmarkts 1990 praktisch über Nacht Schluss war. «The freedom to go bankrupt» bewirbt...

Hamburgische Dramaturgie

Zierlicher ist es, das neue Logo, mit dem Thalia-Intendant Joachim Lux die Litfaßsäulen Hamburgs schmücken ließ. Zierlicher, strenger und doch merkwürdig vertraut. Aus dem gemütlichen Thalia-Tempel Ulrich Khuons, über dem der Morgenstern aufging, ist mit denselben Stilmitteln ein Strichmännchen geworden, das jederzeit losmarschieren könnte: Kontinuität, Neubeginn...

Aufführungen

Volkstheater-Chef Christian Stückl hat zuletzt in München mit einem jugendfrischen «Richard III.» überzeugt. Jetzt legt er auf der Shakespeare-Spur mit «Hamlet» nach. Mit Shakespeares «Othello» setzt Jette Steckel am Deutschen Theater Berlin die mit «Herz der Finsternis» und Lukas Bärfuss’ «Öl» gestartete Suche nach der Begegnung mit dem Fremden fort, den Mohr von...