Im Nichtstun gefangen
Wie mag es wohl in den abgestorbenen Provinzstädten des Postsozialismus zugehen?
In Tilmann Gerschs deutscher Erstaufführung von Michal Walczaks «Das Bergwerk» lebt
es sich dort wie auf einem heruntergekommenen Rummelplatz. Dafür hat Henrike Engels ein haushohes blinkendes Kirmes-Ungetüm mit gemalten Clowns und Knochenmännern, bunten Glühbirnen und Balustraden auf die Bühne des Grillo-Theaters gestellt. Hin und wieder zeigt die Drehbühne das Sperrholz-Gestänge hinter der Kulisse, wo die Bewohner wie Insekten nisten. Trostlos ist das, aber auch ein wenig nostalgisch.
Das Auftragswerk, das der 32-jährige, mehrfach ausgezeichnete polnische Dramatiker
2004 für das Stadttheater von Walbrzych im Südwesten Polens verfasst hat, kreist um die Bewohner einer Stadt, der das ökonomische Zentrum genommen wurde. Denn in Walbrzych
hat man seit der Abschaffung des Bergbaus 1990 mit dem Strukturwandel zu kämpfen. In losen Bildern wird vom Orientierungsverlust der im Nichtstun gefangenen Gestalten erzählt. Der zwanzigjährige Adzio kommentiert die Geschichten, wenn er nicht gerade die zickige Julia anschmachtet oder mit seiner Mutter Lidia über seine Frisur streitet. Sein Vater Wladzio bekämpft seine ...
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Theater heute Juli 2011
Rubrik: Chronik, Seite 54
von Natalie Bloch
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