Eine Leiche mehr
Roxane kocht Gemüsesuppe, und alle Mord-und-Rache-Fantasien Racines landen im Kochtopf. Es ist ein Ereignis. Wie die Schauspielerin Jeanne Balibar sich ihre Kraut- und Sellerieköpfe zurichtet, wie sie die Tomaten blutig quetscht, dem Suppenfleisch eine Abreibung mit Kochsalz verpasst – das hat Klasse und sagt beiläufig was aus über ein Frauenbild. Dass Balibar dabei völlig nackt ist, sagt noch mal was anderes aus über ein spezifisch Castorfsches Frauenbild, das ist eine Diskussion für sich. Selbst der Wesir Acomat und sein Berater Osmin müssen die Köpfe schütteln.
Immerhin erfährt die Nacktheit auch eine gewisse dramaturgische Stringenz, indem Roxane anschließend von den beiden Serails-Magistraten angezogen und gleichzeitig domestiziert wird, sie spreche bei Racine mit «schüchterner Stimme», erinnern sie Balibar. Deren Nacktheit mithin fürs Ungezähmte, Unzivilisierte, Wilde und Ekstatische stehen mag, das auf der literarischen Ebene die Texte von Antonin Artaud der Inszenierung beisteuern.
Macht und Liebe im Dreieck
Es ist dies, der Aufruhr, der Castorf an Racines Figuren interessiert. «Bajazet» spielt im Serail eines ottomanischen Sultans mit Namen Amurat, welcher aber selbst ...
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Theater heute Januar 2020
Rubrik: Aufführungen, Seite 16
von Andreas Klaeui
Sascha liebt es ordentlich, Chris ist ein Chaot. Sascha hat gerade keinen Job, Chris findet das nicht so schlimm. Er verdient schließlich gut, und Sascha hat doch ein Händchen fürs Häusliche, also hey? Sascha erklärt Chris, was Feminismus ist, Chris ärgert sich über Saschas moralische Überlegenheit. Chris meckert über Migranten, Sascha könnte kotzen: Falls das...
Aachen, Grenzlandtheater
26. Schmitt, Enigma
R. Daniel Kuschewsk
Aachen, Theater
10. nach Jensen, Adams Äpfel
R. Sebastian Martin
18. Bowie und Walsh, Lazarus
R. Christian von Treskow
Aalen, Theater der Stadt
25. Benzine, Der Zorn der Feiglinge
R. Tina Brüggemann
Altenburg Gera, THeater
24. Kressin, Als der Herzog über den Herzog herzog
R. Caro Thum (Gera)
29. nach...
Dass das Individuum und seine Lebensführung in der Spätmoderne in eine grundsätzliche Krise geraten sind, ist ein verbreitetes Thema der kulturkritischen Debatte der Gegenwart. Das, was Alain Ehrenberg das «erschöpfte Selbst» nannte, wird in diesem Zusammenhang allenthalben beklagt.(1) Risiken der Überforderung und Überanstrengung scheinen das spätmoderne Subjekt...
